Director's Cut
Wie alle wahren Genies ist Mozart immer auch Kind geblieben. Die Tiefe und Überfülle seiner Kunst hat viel damit zu tun, dass er das Staunen nie verlernt hat. Ein Staunen, das nicht urteilt, sondern verstehen will. Die Welt. Sonne, Mond und Sterne. Vor allem aber den Menschen, das rätselhafteste, faszinierendste Wesen der Schöpfung. Wer sind wir? Wo stehen wir? Was treibt uns an? Was ist Liebe? Was bedeutet der Tod? Mozart fragt sich das ganz naiv, immer wieder neu. Ein beängstigend wacher, intuitiv verständiger Beobachter, der mitten aus dem Leben heraus das Leben zu begreifen sucht.
Seine unfassbare Widersprüchlichkeit und Vielfalt. In Mozarts Musik gibt es nichts Eindeutiges, kein Schwarz oder Weiß. Nur Farben, in allen Mischungen und Tönen. Seinen Opernfiguren fehlt alles Schablonenhafte, Konstruierte – selbst wenn sie aus dem Typenkatalog der Seria oder Commedia dell’Arte stammen. Herz und Verstand, Gefühl und Geist durchdringen sich, das eine ist undenkbar ohne das andere. In jedem Lachen rinnt eine Träne. Wohl keiner hat die Paradoxien der menschlichen Existenz so klar gesehen und umfassender, ungeschönter, schöner in Klänge gefasst als Mozart.
Deshalb spricht er uns noch ...
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Opernwelt Januar 2013
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Albrecht Thiemann
So viel Salzburg war noch nie. 220 Aufführungen sollen während der Sommerfestspiele 2013 stattfinden, an 45 Tagen. Alexander Pereira hat für seine zweite Saison die Sponsorengelder von 8,5 auf 13,5 Millionen Euro erhöhen können. Das ist genau so viel Geld, wie die öffentliche Hand für Österreichs Vorzeigefestival bereithält. Auch diese Konstellation ist neu.
Ende...
Befreit. Gundula Janowitz sitzt in einem Stuttgarter Hotel, lächelt, kraus ist das kurze, weiße Haar, das einst, in den Sechzigern, für Promofotos hochtoupiert war. «Befreit», das Strauss-Lied hat sie oft gesungen bei ihren Liederabenden. Nun ist das Vergangenheit: 1990 hat sie ihre Opernkarriere beendet, 15 Jahre noch Liederabende gegeben. Heute sind Jurys Gundula...
Das ist der Stoff, aus dem die Depressionen sind. Neureiche Eltern, Emporkömmlinge, bei denen die Selbstreflexion allerdings nicht Schritt hält mit den wachsenden Renditen. Mama pflegt das Leben als Fassade, der Ehe-Frust sucht sein Ventil im Hyper-Exaltierten. Da bleiben kaum Raum und Liebe für Tochter Antoinette, die unterm Tisch kauert, sich in Irreales...
