Speed-Dating
Regisseur Ralf Westhoff gab seinen Paaren seinerzeit fünf Minuten. Zum Befragen und Beschnuppern zwecks möglichem Funkenflug. Schließlich das Signal – und der Mann sitzt vor einer neuen Frau. «Shoppen», hieß der Film, und nicht viel anders funktioniert das, was Jonas Kaufmann nun auf Silberscheibe brennen ließ. Ein Speed-Dating in Sachen Puccini. «Love Affairs» ist als Titel allerdings hoch gegriffen: Feuer fängt bei diesen Opern-Quickies kaum jemand.
Wobei: Mit Asmik Grigorian tut sich was. Sie Giorgetta, er Luigi.
Und man hört, wie sich Kaufmann in der «Tabarro»-Szene herausfordern und anstacheln lässt. Endlich ein Miteinander, eine Verzahnung der beiden Charaktere, kein paralleles Singen ins Mikro. Die Grigorian, überraschend textdeutlich, liefert den Musterfall des Puccini-Gesangs. Enorm energiereich, jede Silbe dramatisch motiviert, doch kein vokales Overacting. Manche Kollegin kommt mit den kurzen Kaufmann-Dates weniger zurecht.
Anna Netrebko bleibt trotz dramatischer Vehemenz als Manon Lescaut eine Spur zu passiv. Pretty Yende, obgleich mit lyrisch-warmem Ton gesegnet, singt ihre Mimi, als ob sie im Nachbarstudio von Rodolfo steht. Maria Agresta gibt sich als Butterfly ...
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Opernwelt Dezember 2024
Rubrik: CD, DVD, Buch, Seite 27
von Markus Thiel
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Skandal! In großen Lettern stand das Wort im Raum, seit eine Zürcher Sonntagszeitung ans Licht gebracht hatte, dass am Opernhaus Zürich vor der Premiere von Alfred Schnittkes Oper «Leben mit einem Idioten» massiv in Libretto und Partitur des Stücks eingegriffen worden sei. Der Schuldige war rasch ausgemacht, es war der Regisseur Kirill Serebrennikov, der dafür...
Mit einer einzigen Geste ist Caroline Unger, die 1824 bei der Uraufführung von Beethovens Neunter die Alt-Partie sang, in die Musikgeschichte eingegangen. Sie soll den ertaubten Komponisten zum Publikum umgedreht haben, damit er den Beifall, wenn schon nicht hören, so doch wenigstens sehen konnte. Bereits 1821 hatte Unger in Wien in Rossinis «La gazza ladra»...
