Speed-Dating
Regisseur Ralf Westhoff gab seinen Paaren seinerzeit fünf Minuten. Zum Befragen und Beschnuppern zwecks möglichem Funkenflug. Schließlich das Signal – und der Mann sitzt vor einer neuen Frau. «Shoppen», hieß der Film, und nicht viel anders funktioniert das, was Jonas Kaufmann nun auf Silberscheibe brennen ließ. Ein Speed-Dating in Sachen Puccini. «Love Affairs» ist als Titel allerdings hoch gegriffen: Feuer fängt bei diesen Opern-Quickies kaum jemand.
Wobei: Mit Asmik Grigorian tut sich was. Sie Giorgetta, er Luigi.
Und man hört, wie sich Kaufmann in der «Tabarro»-Szene herausfordern und anstacheln lässt. Endlich ein Miteinander, eine Verzahnung der beiden Charaktere, kein paralleles Singen ins Mikro. Die Grigorian, überraschend textdeutlich, liefert den Musterfall des Puccini-Gesangs. Enorm energiereich, jede Silbe dramatisch motiviert, doch kein vokales Overacting. Manche Kollegin kommt mit den kurzen Kaufmann-Dates weniger zurecht.
Anna Netrebko bleibt trotz dramatischer Vehemenz als Manon Lescaut eine Spur zu passiv. Pretty Yende, obgleich mit lyrisch-warmem Ton gesegnet, singt ihre Mimi, als ob sie im Nachbarstudio von Rodolfo steht. Maria Agresta gibt sich als Butterfly ...
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Opernwelt Dezember 2024
Rubrik: CD, DVD, Buch, Seite 27
von Markus Thiel
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Es war Herbert von Karajan, der vor bald 40 Jahren den Impuls gab: Im Gespräch mit Liz Mohn beklagte der Maestro einst die fehlende Förderung des Operngesangs in Deutschland. Der Gedanke ließ die heutige Witwe des Bertelsmann-Chefs Reinhard Mohn nicht los, und so rief sie 1987 den internationalen Gesangswettbewerb «Neue Stimmen» ins Leben, der seither im...
Antoine ist düster. Ahnt der junge Mann etwas? Gemeinsam mit anderen Bauern und mit den Tieren ist er vom heimat -lichen Dorf zur Sömmerung auf die Alpe Derborence gestiegen. Bald legt er sich auf seinem Strohsack in der einfachen Hütte schlafen – da geschieht es: Es donnert ein Felssturz auf die Alpe herab und begräbt alles Lebendige unter Steinmassen. Ein...
