Spaßgesellschaft auf Abruf

Dekonstruiert, reduziert: Monteverdis «L’incoronazione di Poppea» in Bremen

Opernwelt - Logo

Das Warten auf den (musikalischen) Höhepunkt kann in Claudio Monteverdis «L’incoronazione di Poppea» eine halbe Ewigkeit dauern. Am Theater Bremen sind es gerade mal zwei Stunden und 30 Minuten, bis sich die Stimmen von Nerone und Poppea in «Pur ti miro, pur ti godo» ineinander verschlingen dürfen, weil der Komponist das Melos der Musik und der Sprache seiner Heimat nun endlich so schamlos und in die Herzen der Hörer dringend einsetzt, wie man das eigentlich erst aus den mehr als zwei Jahrhunderte später erdachten Liebesduetten und Arien von Verdi und Puccini zu kennen glaubt.

Monteverdi wusste eben, wie er das Publikum in seinen Bann ziehen kann. Seine letzte Oper, ein Jahr vor seinem Tod in der Karnevalssaison 1642/43 im venezianischen Teatro Santi Giovanni e Paolo aus der Taufe gehoben, ist ein Wegbereiter für die Zukunft des Musiktheaters. Sie löst sich von den abgehobenen Götterfiguren der Gattung, stellt stattdessen ein historisch verbrieftes, moralisch verlottertes Personal um den römischen Kaiser Nero und die Edelhure Poppea auf die Bühne. Seitenblicke des Librettisten Giovanni Francesco Busenello wie des Komponisten Claudio Monteverdi auf das seinerzeit gerade in ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2023
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Peter Krause

Weitere Beiträge
Liebe bis in den Tod

In Freundschaft» lautet das Motto der diesjährigen Musikfestspiele Potsdam. Freundschaftlich verbunden sind sich auch die Helden in Marc-Antoine Charpentiers szenischem Oratorium «David et Jonathas», einer Koproduktion mit der Opéra Royale de Versailles. David, furchtloser Bezwinger des Riesen Goliath, und Königssohn Jonathas gehören verfeindeten Lagern an – den...

Schlechte neue Welt

Kein Zweifel ist möglich: Dieser Pinkerton strahlt die Präpotenz von Macht und Geld mit jeder Pore seines Seins aus. Seine Untergebenen der Marine maßregelt er knapp jenseits der Grenze der Erniedrigung, die Kopie des über den Heiratsvermittler Goro (Yannis Kalyvas) abgegebenen Eheversprechens zerreißt er direkt nach der Unterschrift in kleine Schnipsel, Suzukis...

Heiße Herzen

Im Festivalbetrieb funktionieren Programme, die sich im Alltag des Kulturlebens eher schwertun, manchmal auf wundersame Weise. So etwa Streichquartett-Abende. In Heidelberg drängelt sich das Publikum beim alljährlichen Streichquartettfest zu Beginn des Jahres. Intendant Thorsten Schmidt, der 1997 den «Heidelberger Frühling» erfand, rückt dabei bewusst «schwierige»...