Spannschuss ins Lattenkreuz

Marcelo Álvarez präsentiert ein Verdi-Potpourri, Fabio Armiliato eines mit Puccini-Arien

Opernwelt - Logo

«Über die Musik will ich Ihnen nichts sagen; Sie kennen sie. Wovon Sie aber keine Vorstellung haben können, ist das schreckliche Geschrei, das anhaltende Brüllen, welches das ganze Stück hindurch von der Bühne schallt», berichtete der Philosoph Jean-Jacques Rousseau (1712-1778) über einen Opernbesuch (ohne damit speziell Tenöre zu meinen). Gioacchino Rossini erregte sich anlässlich eines von Gilbert Duprez in «Guglielmo Tell» aus voller Brust – statt mit der Voix mixte – gesungenen hohen C’s, es sei der Todesschrei eines Kapauns.

Doch der «Tenore di forza», der solchermaßen geboren war, hatte stets etwas Sportliches an sich, und es ist kein Zufall, dass Luciano Pavarotti anlässlich seiner Auftritte als einer der «Drei Tenöre» davon sprach, ein hohes C befriedige ihn ebenso wie ein Spannschuss ins Lattenkreuz den Mittelstürmer.  
Angesichts solcher historisch fundierten Tatsachen scheint es fast eine Anmaßung, von einem Tenor – zumal im lateinischen Bereich – eine über das Plakat wesentlich hinausgehende gestalterische Differenzierung oder gar die psychologische Durchleuchtung eines Charakters zu erwarten. Der Fangemeinde der Stars liegt solches auch fern. Dass es immer wieder Tenöre ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2009
Rubrik: Medien | CDs, Seite 29
von Gerhart Persché

Vergriffen
Weitere Beiträge
Fahrräder und ein schwebendes Vogelnest

Der Regimekritiker und Konzeptkünstler Ai Weiwei, Medienstar der 12. Kasseler Documenta, war trotz beschädigter Gesundheit (die Folgen von Schlägen durch chinesische Sicherheitskräfte) zur Premiere in die Hansestadt gekommen. Und er warf damit ein wenig Glamourglanz auf das momentan durch Finanzierungsschwierigkeiten und Rücktritt des Intendanten gebeutelte Bremer...

Glück und Trauer

In der Rockmusik und im Jazz ist die «All Star Band» eine feste Größe. Ihr wesentlicher Daseinszweck: mit klingendem Promi-Namen Kasse machen. Eine Marketing-Strategie, die längst auch zum Alltag der Klassikbranche gehört. Die «3 Tenöre» machten nur den Anfang. Solche Gedanken gehen einem durch den Kopf, wenn man die Neueinspielung von Verdis «Requiem» hört, die im...

Editorial

Die Reihe unserer «Opernwelt»-CDs, die exklusiv für Abonnenten aufgelegt wird, hat zwei Schwerpunkte. Zum einen geht es um Sängerinnen und Sänger, die von den Plattenfirmen stiefmütterlich behandelt wurden. Deshalb haben wir zum Beispiel Catarina Ligendza, Anny Schlemm und Jean Cox je eine CD gewidmet. Ein anderer Schwerpunkt gilt exemplarischen Opernaufnahmen aus...