Spannschuss ins Lattenkreuz
«Über die Musik will ich Ihnen nichts sagen; Sie kennen sie. Wovon Sie aber keine Vorstellung haben können, ist das schreckliche Geschrei, das anhaltende Brüllen, welches das ganze Stück hindurch von der Bühne schallt», berichtete der Philosoph Jean-Jacques Rousseau (1712-1778) über einen Opernbesuch (ohne damit speziell Tenöre zu meinen). Gioacchino Rossini erregte sich anlässlich eines von Gilbert Duprez in «Guglielmo Tell» aus voller Brust – statt mit der Voix mixte – gesungenen hohen C’s, es sei der Todesschrei eines Kapauns.
Doch der «Tenore di forza», der solchermaßen geboren war, hatte stets etwas Sportliches an sich, und es ist kein Zufall, dass Luciano Pavarotti anlässlich seiner Auftritte als einer der «Drei Tenöre» davon sprach, ein hohes C befriedige ihn ebenso wie ein Spannschuss ins Lattenkreuz den Mittelstürmer.
Angesichts solcher historisch fundierten Tatsachen scheint es fast eine Anmaßung, von einem Tenor – zumal im lateinischen Bereich – eine über das Plakat wesentlich hinausgehende gestalterische Differenzierung oder gar die psychologische Durchleuchtung eines Charakters zu erwarten. Der Fangemeinde der Stars liegt solches auch fern. Dass es immer wieder Tenöre ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Der Wunsch, Wagners «Ring» komplett auf die Bühne zu bringen, ist weltweit zu einer Art Kraftprobe geworden, die mehr und mehr Häuser bestehen wollen. Wenige haben dabei so viel Mut wie das Teatro São Carlos. Dass die Planer in Lissabon erst fünf vor zwölf von den öffentlichen Geldgebern erfuhren, wie viel Geld sie zur Verfügung haben, machte die Sache nicht...
Schon bei seinem Amtsantritt im Januar konnte man es hören: Ungewohnt fein und transparent klang da Richard Strauss’ gigantisch instrumentierte «Elektra»-Partitur, schlank und beweglich präsentierte sich das Orchester. Unverkennbar stand da ein Mann im Graben, der sehr präzise Vorstellungen vom Klang seines Orchesters hatte – und diese auch umzusetzen wusste....
Anlässlich der Stuttgarter Produktion von Nonos azione scenica «Al gran sole carico d´amore» im Jahr 1998 verwies Klaus Zehelein auf einen für das Verständnis dieses Werks wesentlichen Punkt: seine Stellung in der Geschichte, für die Geschichte, und vor allem – seine über die Aktualität hinausreichende Essenz. Die Frage nach der Haltung des Stücks, nach seinem...
