Bildungsreste
Sei mit Lust bei den Geschäften am Tage, aber mache nur solche, dass wir bei Nacht ruhig schlafen können!» Die Devise des Buddenbrook-Patriarchen, die er an die kommenden Generationen weiterreicht, klingt bei dessen Schöpfer so, als wolle der Hausherr ein Kaufmann mit Anstand sein. In der Oper von Ludger Vollmer («nach Thomas Mann») wird sie statt einer Ouvertüre vom Chor intoniert, der als Kollektiv von protestantischen Pastorinnen und Pastoren die strenge Sittlichkeit des Lübecker Geschäftemachens preist.
So ganz ernst nimmt der Enkel des Urhebers die lebenskluge Sentenz im Libretto von Feridun Zaimoglu und Günter Senkel allerdings nicht mehr. Schließlich sind die Buddenbrooks der Oper unter der Führung des immerhin zum Senator geadelten Thomas (Jörg Sabrowski mit markant artikulierendem Bassbariton) längst vom Getreidehandel in das mindestens so lukrative Waffen -geschäft gewechselt. Dennoch tragen die Herren großbürgerlichen Frack und die Damen lange Kleider (Kostüme: Claudia Spielmann). Die feinsten Kreise machen schmutzige Geschäfte. Und sie feiern ihren Wohlstand mit der Einweihung eines neuen Familiensitzes; dort prangt ein Foto des jovialen Ahnherrn Johann überlebensgroß ...
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Opernwelt Juli 2024
Rubrik: Panorama, Seite 58
von Peter Krause
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Diese Düsterkeit ist niederschmetternd. Nachdem Blut geflossen ist wie Wasser, nachdem verraten, betrogen und gemordet wurde, als gäbe es kein Morgen, nachdem Anführer und Herrscher aufstiegen und wieder aus dem Weg geräumt wurden – nach all dem steht das Volk, repräsentiert hier von den sogenannten «Altgläubigen», mit erhobenen Armen da und wünscht sich nichts...
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