Soundtrack zum Schaumbad
Auch im Liedgesang, der «Königsklasse des Singens», wolle er sich behaupten, erklärt Jonas Kaufmann auf seiner Website. Mit seiner Aufnahme von Franz Schuberts «Die schöne Müllerin» hat er vor fünf Jahren eine imponierende tenorale Visitenkarte abgegeben, 2012 dann zum ersten Mal die «Winterreise» gesungen. Die Aufnahme mit seinem einstigen Lehrer Helmut Deutsch – wundervoll weich, dabei rhythmisch energisch und konzentriert spielend – ist im Oktober 2013 in München entstanden.
Nun geht Kaufmann damit auf Reisen, bringt den Zyklus auf die Opernbühnen von Barcelona, Genf, London, Paris und Mailand, in die Berliner Philharmonie und das Kongress-Zentrum von Graz. Ob diese Räume sich eignen für eine Kunst, die, so Kaufmann, «mehr Feinarbeit erfordert als jede andere sängerische Disziplin, mehr Farben, mehr Nuancen, mehr Differenzierung in der Dynamik», sei dahingestellt – strategisch klug gewählte Locations für das jüngste Produkt eines Superstars sind sie allemal.
Schubert selbst hat, wie sein Freund Joseph von Spaun berichtet, den Zyklus als einen «Kranz schauerlicher Lieder» bezeichnet und seinen erschrockenen Freunden mit bewegter Stimme vorgetragen. Mit bewegter Stimme – war dies ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt April 2014
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 17
von Jürgen Kesting
In den Künsten, zumal den darstellenden, gibt es Menschen, die man mehr oder weniger sieht. Primär den Stars ist Öffentlichkeit vergönnt. Doch die im Dunkeln – Autoren, Komponisten, Regisseure, Choreografen, Ausstatter, Dramaturgen –, die sieht man nicht. Dabei sind Interpreten auf Institutionen angewiesen, Kulturapparate, die nicht nur technisch funktionieren,...
Jubilare
Die Altistin Hertha Töpper erhielt zunächst Geigen- und Gesangsunterricht, bevor sie nach einem Gesangsstudium am Landeskonservatorium ihrer Heimatstadt Graz 1945 als Ulrica im «Maskenball» an der Grazer Oper debütierte. Für die ersten Bayreuther Festspiele nach dem Krieg wurde sie 1951 u. a. als Siegrune und Floßhilde engagiert. 1952 trat Hertha Töpper...
Mitte der achtziger Jahre. Carl Dahlhaus, der Berliner Ordinarius für Musikwissenschaft, war schon sehr krank, und seine Vorlesungen mussten immer wieder ausfallen. Da sprang ein nicht mehr ganz junger, aber dynamisch wirkender Mann ein, von dem wir Studenten wussten, dass er eigentlich Dirigent war, aus der DDR kam und seit Kurzem in Wuppertal als GMD wirkte....
