Solipsistische Etüde
Zwischen dem Sockel des Bronzeengels von Peter Anton van Verschaffelt und dem Straßenniveau liegen etwa 48 Meter. Kaum ein Körper, der von der Spitze der Engelsburg in Rom springt, würde unversehrt bleiben. Doch in der Opernwelt ist alles möglich, sogar dass eine der berühmtesten Selbstmörderinnen der Operngeschichte diesen Sprung überlebt.
Floria liegt also auf einer Trage, ist völlig nackt, aber in hervorragender körperlicher Verfassung, als sie in Virginia Guastellas neuer einaktiger Oper «My Name is Floria», die nun beim Festival Aperto in Reggio Emilia uraufgeführt wurde, langsam wieder zum Leben erwacht.
Aber ist Floria wirklich «die Tosca»? Darauf deuten einige Zeilen aus dem Libretto für Puccinis Oper hin, das nur eine der Quellen des fragmentarischen Textes in mehreren Sprachen ist, den die Komponistin selbst mit Teilen aus dem Theaterstück von Victorien Sardou und aus Büchern von Percy B. Shelley und John Keats zusammengestellt hat. Als die Frau wieder voll im Leben steht, kommen jedoch Zweifel auf, ob sie nicht vielmehr eine andere Floria ist. In einer bizarren psychotherapeutischen Gruppensitzung beschreibt ein Gesangsquartett, dass sie an einem Nervenzusammenbruch ...
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Opernwelt Juli 2025
Rubrik: Panorama, Seite 58
von Stefano Nardelli
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Auf den Titelblättern der Programmhefte dieser beiden Musiktheater-Novitäten prangt (sie sind im selben Hellrot wie das Schriftlogo «Staatsoper Hamburg» gesetzt) eine Zahl, die Bände sprechen soll. Eine «22» für Unsuks Chins «Die dunkle Seite des Mondes», eine «23» für Rodolphe Bruneau-Boulmiers «Die Illusionen des William Mallory». Das Leitungsduo des Hauses an...
Dass sie zu den bedeutendsten Komponisten Polens zählt, haben ihre Landsleute nie in Frage gestellt. Grażyna Bacewicz verkehrte als Gleiche unter Gleichen; alle namhaften Dirigenten von Grzegorz Fitelberg bis Witold Rowicki haben ihre Werke aufgeführt, Witold Lutosławski und ihr Lehrer Kazimierz Sikorski, beide eminente Symphoniker, schätzten Bacewiczs...
