Solipsistische Etüde
Zwischen dem Sockel des Bronzeengels von Peter Anton van Verschaffelt und dem Straßenniveau liegen etwa 48 Meter. Kaum ein Körper, der von der Spitze der Engelsburg in Rom springt, würde unversehrt bleiben. Doch in der Opernwelt ist alles möglich, sogar dass eine der berühmtesten Selbstmörderinnen der Operngeschichte diesen Sprung überlebt.
Floria liegt also auf einer Trage, ist völlig nackt, aber in hervorragender körperlicher Verfassung, als sie in Virginia Guastellas neuer einaktiger Oper «My Name is Floria», die nun beim Festival Aperto in Reggio Emilia uraufgeführt wurde, langsam wieder zum Leben erwacht.
Aber ist Floria wirklich «die Tosca»? Darauf deuten einige Zeilen aus dem Libretto für Puccinis Oper hin, das nur eine der Quellen des fragmentarischen Textes in mehreren Sprachen ist, den die Komponistin selbst mit Teilen aus dem Theaterstück von Victorien Sardou und aus Büchern von Percy B. Shelley und John Keats zusammengestellt hat. Als die Frau wieder voll im Leben steht, kommen jedoch Zweifel auf, ob sie nicht vielmehr eine andere Floria ist. In einer bizarren psychotherapeutischen Gruppensitzung beschreibt ein Gesangsquartett, dass sie an einem Nervenzusammenbruch ...
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Opernwelt Juli 2025
Rubrik: Panorama, Seite 58
von Stefano Nardelli
Im «Peking» ist die Hölle los. Die gleichnamige Stadt aus Puccinis Oper hat sich in ein Casino irgendwo in den Vereinigten Staaten von Amerika verwandelt. Plastikjetons fliegen durch die Luft, Geldscheine wechseln im Eiltempo den Besitzer oder die Besitzerin, Anzüglichkeiten vieler Arten machen die schlüpfrige Runde. Ein Hauch von Las Vegas und seinem fragwürdigen...
Am «Woyzeck» hat Regie-Altmeister Johan Simons einen richtigen Narren gefressen. Dreimal brachte er Georg Büchners Schauspiel auf die Bühne, zuletzt in einer Koproduktion von Burgtheater, Schauspielhaus Bochum (wo Simons seit 2018 Intendant ist) und Akademietheater. 2019 erhielt diese den Nestroy-Preis für die beste Regie. Jetzt nahm sich Simons, der in diesem Jahr...
Es war ein Ritterschlag. Franz Lehár, der von Zeitgenossen wie Karl Kraus oder Richard Strauss Geschmähte, durfte am 20. Jänner 1934 seine Uraufführung an der Wiener Staatsoper landen, dem musikalischen Musentempel schlechthin der alten k. u. k. Monarchie. Nicht Oper, nicht Operette: «Musikalische Komödie» hat der damals bald 64-Jährige sein letztes Bühnenwerk...
