Sogkraft, Süffiges und Seichtes
Das letzte Jubiläum hatte es in sich. Als vor knapp einem halben Jahrhundert der 300. Geburtstag Georg Friedrich Händels gefeiert wurde, herrschte Aufbruchstimmung bei Opernhäusern, Interpreten und Schallplattenproduzenten. Bis zu diesem Zeitpunkt waren Händels Opern auf den Spielplänen lediglich Randrepertoire, etliche Bühnenwerke des Komponisten lagen zudem entweder noch gar nicht oder nur in stilistisch bereits damals fragwürdigen Aufnahmen vor. Und auch die historische Aufführungspraxis begann sich erst langsam an das Thema Händel heranzutasten.
Zwar hatten Jean-Claude Malgoire («Serse», «Rinaldo» und «Tamerlano»), Alan Curtis («Admeto») und Sigiswald Kuijken («Partenope») schon seit Ende der siebziger Jahre begonnen, Händel auf historischen Instrumenten einzuspielen, doch eine «Bewegung» hatten diese isolierten Pioniertaten nicht auslösen können. Aus heutiger Perspektive sorgte tatsächlich das Jubiläumsjahr für eine Dynamik, die Händels Opern zu ungeahnter Popularität verhelfen sollte: Bahnbrechende Aufnahmen wie Richard Hickox’ «Alcina» und John Eliot Gardiners «Tamerlano» entstanden in diesem Umfeld, und schon wenige Jahre später war die historische Aufführungspraxis zum ...
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«Die Schrecken der Oper sind süß», heißt es in Heiner Müllers «Quartett». Es war die Idee des Regisseurs Thomas Bischoff, zwischen Bartóks Einakter «Herzog Blaubarts Burg» und Schönbergs «Erwartung» eine Kurzversion von Heiner Müllers Schauspiel «Quartett» zu setzen und so den Reigen der Paare, der als knallbunter Werbefoto-Fries den Abend begleitet, bis in die...
Ulrich Schreiber nennt sie den «wichtigsten Beitrag Frankreichs zur veristischen Opernbewegung». Der gute alte Kloiber hatte schon Jahrzehnte zuvor die «fast surrealistisch überhöhten» Milieuschilderungen in Gustave Charpentiers «Louise» hervorgehoben. Eben diesen Weg, den vor kurzem Christof Loy in Duisburg (siehe OW 11/2008) gegangen war, wählt jetzt auch...
Ein Symbol Berlins? Na klar, das Brandenburger Tor. Die Opernhäuser jedenfalls sind es nicht. Haben sie eine Chance, es jemals zu werden? Wie könnten sie dahin kommen? «Zwischen Aufbruch und Ärgernis» hieß ein Diskussionsabend am 16. Februar, zu dem «Opernwelt» gemeinsam mit der Stiftung Zukunft Berlin und der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste eingeladen...
