Sogkraft, Süffiges und Seichtes
Das letzte Jubiläum hatte es in sich. Als vor knapp einem halben Jahrhundert der 300. Geburtstag Georg Friedrich Händels gefeiert wurde, herrschte Aufbruchstimmung bei Opernhäusern, Interpreten und Schallplattenproduzenten. Bis zu diesem Zeitpunkt waren Händels Opern auf den Spielplänen lediglich Randrepertoire, etliche Bühnenwerke des Komponisten lagen zudem entweder noch gar nicht oder nur in stilistisch bereits damals fragwürdigen Aufnahmen vor. Und auch die historische Aufführungspraxis begann sich erst langsam an das Thema Händel heranzutasten.
Zwar hatten Jean-Claude Malgoire («Serse», «Rinaldo» und «Tamerlano»), Alan Curtis («Admeto») und Sigiswald Kuijken («Partenope») schon seit Ende der siebziger Jahre begonnen, Händel auf historischen Instrumenten einzuspielen, doch eine «Bewegung» hatten diese isolierten Pioniertaten nicht auslösen können. Aus heutiger Perspektive sorgte tatsächlich das Jubiläumsjahr für eine Dynamik, die Händels Opern zu ungeahnter Popularität verhelfen sollte: Bahnbrechende Aufnahmen wie Richard Hickox’ «Alcina» und John Eliot Gardiners «Tamerlano» entstanden in diesem Umfeld, und schon wenige Jahre später war die historische Aufführungspraxis zum ...
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Der liebe Gott ist auch dabei. Wenn Hörner, Trompeten und Posaunen fortissimo den Vorhang zum grotesken Mysterienspiel wegblasen, hat er schon im Himmel Platz genommen. Ein schrulliger Alter mit wilder Mähne und weißem Rauschebart. Für die putzigen Putten, die um ihn herum am Firmament kleben, scheint er sich nicht zu interessieren. Eher schon für Frau Faust auf...
Haydn auf der Opernbühne – auch im Jubiläumsjahr ist das die Ausnahme. Die Zürcher Oper kann sich rühmen, sein heiteres Pastoraldrama «La fedeltà premiata» aus der Eszterházy-Zeit immerhin schon einmal, 1975, zehn Jahre nach der ersten Edition, auf die Bretter gebracht zu haben: damals in Szene gesetzt vom großen Jean-Pierre Ponnelle, als Schäferspiel im Ambiente...
In der stattlichen Diskografie von Puccinis «Madama Butterfly» nehmen die Produktionen der EMI vordere Plätze ein. Fast unerreicht in ihrem unsentimentalen, fast schroffen Habitus ist Gianandrea Gavazzenis Mono-Einspielung von 1954 mit Victoria de los Angeles und Giuseppe di Stefano. Herbert von Karajans klangsinnlichere Version aus dem folgenden Jahr, mit Maria...
