So war es und nicht anders
Über die «Zauberflöte», möchte man meinen, ist (fast) alles gesagt. Dutzende Meter füllen die Regale öffentlicher wie privater Bibliotheken, und auch im spätmodernen Diskurs gab es in jüngerer Vergangenheit immer wieder Deutungsversuche, die Mozarts 1791 in die Musikwelt entsandtes Singspiel auf ein Libretto von Emanuel Schikaneder dem Geist der Zeit (und manchmal auch nur dem Zeitgeist) anzupassen versuchten.
Was es bislang nicht gab, war ein Libretto-Vergleich zwischen Schikaneders Original und jener Überarbeitung, die Christian August Vulpius wenige Jahre nach der Uraufführung in Wien für Weimar anfertigte, angeregt im Auftrag des Geheimrats Goethe. «Die Decke schwindet» ist der zunächst etwas rätselhafte Titel einer Studie, die Cornelie Becker-Lamers nun vorgelegt hat, mit dem Ziel «Handlung und Figurenrede» in den vorliegenden Fassungen miteinander zu vergleichen, wobei die Autorin keinen Hehl daraus macht, wem sie hier den Vorzug gibt – dem Original nämlich. Und Becker-Lamers greift gleich zu Beginn voll in die Klagesaiten, wenn sie von einer «Fehlinterpretation» seitens der Musikwissenschaft spricht und betont, dass sich seit Attila Csampais «hellsichtigem Essay» niemand ...
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Opernwelt April 2026
Rubrik: Medien, Seite 40
von Jan Verheyen
Jean-Baptiste Lully und sein Librettist Philippe Quinault wollten mit der Erfindung der Tragédie en musique, der gesungenen Tragödie, dem klassischen Versdrama Corneilles und Racines ein Gesamtkunstwerk aus Wort und Ton, Gesang und Tanz zur Seite stellen – erstmals mit «Cadmus et Hermione» 1673, dem dann bis zu Lullys Tod 1687 Jahr für Jahr ein neues folgte....
Exakt 200 Jahre nach seiner Londonder Uraufführung 1724 ging Händels «Tamerlano» erstmals wieder über die Bühne – in Karlsruhe. Nun, bei der Eröffnungsinszenierung der Händelfestspiele, gibt Kobie van Rensburg den Gesamtkunstwerker: Er hat Raum und Kostüme entworfen, er inszeniert, und er kreiert mit Hilfe von KI-Programmen diverse Bildebenen.
Die Illusionswelten...
Der weise Augustinus hatte ein höchst ambivalentes Verhältnis zur Musik. Einerseits war sie ihm verwerflicher sinnlicher Genuss, eine nachgerade unsittliche tentatio, andererseits bekannte er, eben dieser Versuchung, dem verführerischen Reiz des Klingenden, in schwachen Augenblicken zuweilen zu erliegen. Blaise Pascal wiederum sah darin eine logique du cœur; für...
