Königin aus der Luft
Und es gibt ihn doch: den Berliner Charme. Raffinement ist nicht seine Stärke, er neigt eher zum Rustikalen. Der Ton ist rau, der Witz derber als anderswo, und manchmal strotzt er nur so vor lauter Selbstbewusstsein. An Spree und Havel trägt man das Herz eben nicht auf der Zunge, sondern zeigt es frei nach Schnauze. «Uns kann keener», tönt der Volksmund und grinst dabei bis über beide Ohren. Ganz so wie Katharina Thalbach im Programmheft zur Freiluft-«Zauberflöte» am Wannsee, die auf Anhieb rund 40 000 Zuschauer lockte.
Schiebermütze, wirres Haar, die Brille neckisch Richtung Nasenspitze geschoben, blinzelt die um kein Klischee und keinen Kalauer verlegene Spaßkanone der Opernregie aus dem PR-Foto. In drei Jahren wird sie sechzig, aber noch immer steht ihr der Schalk einer Zille-Brecht-Göre ins Gesicht geschrieben. Genau die Richtige, dachten sich die Erfinder der ersten Berliner «Seefestspiele», um das philosophisch verrätselte «Machwerk» von Schikaneder und Mozart auf die Sommerbühne zu wuchten.
Tiefsinnige Deutungsversuche zu Freimaurersymbolik und altägyptischen Mysterien, Prüfungslogik und Initiationsriten darf man da natürlich nicht erwarten. Aber die wären für ein Publikum, ...
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Opernwelt November 2011
Rubrik: Magazin, Seite 78
von Albrecht Thiemann
Er wurde ein echter amerikanischer Held: Rick Rescorla, die Hauptfigur der neuen Oper von Christopher Theofanidis und der Librettistin Donna DiNovelli. Geboren und aufgewachsen im englischen Cornwall kämpfte er zunächst als Söldner in Rhodesien, bevor er sich bei der US-Armee als Freiwilliger meldete und im Vietnamkrieg durch Tapferkeit auszeichnete. Seine größte...
Elf Jahre lang war Hermann Bäumer Posaunist bei den Berliner Philharmonikern, bevor er diese sichere Stellung verließ, um als Dirigent von Jugendorchestern und als GMD in Osnabrück ein neues Leben anzufangen. Ein Aussteiger, der den event- und profitgeilen Klassikmarkt getauscht hat für ein konzentriertes Arbeiten an der Musik selbst – und dafür in die Provinz...
Mehr und mehr gehen die großen Opernhäuser dazu über, ausgewählte Neuinszenierungen durch Symposien zu vertiefen. Solche Begegnungen zwischen Wissenschaft und Praxis sind nützlich, auch wenn sie oft nur geringes Publikumsinteresse finden. Ob freilich die dort präsentierten Referate hinterher auch in Buchform dokumentiert werden müssen, darf angesichts dreier...
