Auf der Wippe
Der Zwangseintritt in ein Kloster war im 18. Jahrhundert das Los vieler «überzähliger» Töchter, für die ihre Familien keine Mitgift aufbringen konnten (oder wollten). Die Konvente waren voll von Frauen, die dort ohne jede geistliche Berufung ihr Leben quasi in Haft verbrachten. Der viel kritisierte Materialismus der Manon hat also eine nachvollziehbare Ursache: Er ist das Mittel, mit dem sie sich diesem grausamen Schicksal zu entziehen sucht.
In vergleichbare Zwangslagen geraten junge Frauen heute nur mehr in Ausnahmefällen.
Umso mächtiger wirken Identifikationsangebote und Rollenvorbilder, die ihnen Werbung und Medien aufdrängen – in Deutschland zum Beispiel die TV-Show «Germany’s Next Topmodel». In Italien träumen Tausende junger Frauen davon, eine Velina zu werden, eines der spärlich bekleideten Showgirls in Berlusconis Privatfernsehen. Eine Transposition der Manon-Geschichte in die Gegenwart kann also durchaus sinnvoll sein.
Christine Mielitz’ Bonner Inszenierung scheint am Anfang so etwas anzudeuten: Statt auf einer Postkutschenstation befinden wir uns auf einem modernen Airport; die Kleidung verweist aufs Hier und Heute. Dann aber verflüchtigt sich das Welthaltige immer mehr ...
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Opernwelt November 2011
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Ingo Dorfmüller
Dass der berühmte Kastrat Carlo Broschi, genannt Farinelli, auch komponiert hat, ist seit Langem bekannt. Franz Haböck, der Pionier unter den Erforschern der Sängerkastraten, gab bereits 1923 einen Band mit Arien heraus, die zum Repertoire Farinellis gehörten, darunter auch acht Stücke, die er dem Sänger zuschrieb. Nicht für alle Werke ließ sich diese Zuweisung...
Prinzipien haben sie an der Opéra national du Rhin. Eine Uraufführung pro Spielzeit soll es sein und mit ihr ein Beitrag zum «Musica»-Festival. Diesmal ging der Auftrag an Philippe Manoury, Jahrgang 1952. Er tat sich mit dem Librettisten Jean-Pierre Milovanoff zusammen. Heraus kam «La Nuit de Gutenberg», ein Werk, das in der Geschichte Straßburgs verankert ist....
Könnte von Eichendorff sein: Ein Graf lebt in einem einsamen Schloss und ist mit der Geisterwelt im Bunde. Doch dann schlägt Byron durch: Manfred leidet selbstmordtrunken schreckliche innere Qualen, hervorgerufen durch die heftige Liebe zu seiner Schwester Astarte. Vergebung ist unerreichbar, Tod sein einziges Verlangen – Erlösung, Notwendigkeit und Konsequenz in...
