So einfach, so schlagend
Alles auf Anfang. Es ist, als werde in Zürich die Erfindung der Oper anhand eines der frühesten Exemplare des Genres nachgestellt. Stockdunkel das Haus. Aus der Düsternis heraus beginnt eine der drei Chitarronen, die zuvor riesenhaft aus dem Graben auf die Bühne ragten, zu fantasieren. La Scintilla, diesmal nur 16 Köpfe stark, tastet sich – immer noch kein Licht – mit der Sicherheit des Spezialensembles in Claudio Monteverdis Klangsphäre hinein. Und auch Wolfgang Gussmanns schräge Szenenscheibe taucht wie aus dem Nichts auf.
«Il ritorno d’Ulisse in patria»: Auf der Drehbühne Damen und Herren in gehobener heutiger Alltagskleidung (Kostüme: der Bühnenbildner und Susana Mendoza). Sie recken die Arme, wiegen sich im Tanzschritt, rotten sich eng zusammen, streben auseinander, formieren sich zur Polonaise, rahmen den Spielkreis. Einen aus ihrer Mitte entkleiden sie bis auf den Slip. Er ist «L’humana fragilità», die menschliche Gebrechlichkeit. Sie spielen das Spiel. Penelope, Sonnenbrille, kleines Schwarzes, löst sich aus dem Ensemble und erbittet die Rückkunft des Gatten, der 20 Jahre zuvor in den Trojanischen Krieg zog. «Torna, deh torna Ulisse!» – «Kehr heim, ach, kehr heim, ...
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Opernwelt Juli 2014
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Heinz W. Koch
Man muss kein Kinderhasser sein, um die Geschichte von der «Frau ohne Schatten» schwer verdaulich zu finden. Selbst wer das Drama des unerfüllten Kinderwunsches ernst nimmt, kann sich überlastet fühlen, wenn zum Schluss der Richard-Strauss-Oper der Chor der Ungeborenen seine Stimme erhebt. Regisseure flüchten da gern mal in die Ironie und lassen die Kinderwagen...
So viel Lärm um Glyndebourne war wohl nie. Wie Donnerhall dröhnte es nach der ersten Premiere dieses Jahres über den lieblichen South Downs. Nicht, dass das seit 1934 auf einem Landgut in East Sussex veranstaltete Opernfestival seinen in Frack und Abendrobe anreisenden Habitués mit einem kühnen Programm zur 80. Sommersaison das Champagner-Picknick auf der Wiese...
Französische Operette, das ist in Deutschland fast immer Jacques Offenbach. Der aber war ja eigentlich Kölner und starb bereits 1880, als das Genre stilistisch gerade in voller Blüte stand. Zu Offenbachs Zeit war aber auch ein gewisser Florimond Ronger, genannt Hervé, sehr beliebt, zu dessen bekanntesten Stücken «Le petit Faust» und «Mam’zelle Nitouche» gehören....
