Slow Motion auf der Symbolhalde
Die «Così»-Phase hat man am Münchner Prinzregentenplatz schon lange hinter sich gelassen. Heißt: die Einstudierung von Hits, damit sich der Nachwuchs früh Repertoire draufschafft als Rüstzeug für spätere Engagements. Dies bedeutet aber auch: Wer an der Theaterakademie August Everding bei einem Opernprojekt auf der Bühne steht, kann normalerweise seine mühsam erlernte Partie nie wieder abrufen. Ausnahmefälle, die fordern und an Grenzen treiben, begreift man dort als harte bis beste Schulung für die Ernstfälle der Karriere.
Und dazu sind seit Jahren die Akademieschürfer an den Repertoirerändern unterwegs.
«Flight» von Jonathan Dove, «L’arbore di Diana» von Martín y Soler, Offenbachs «Ba-Ta-Clan» oder «Achill unter den Mädchen» von Wolfgang-Andreas Schultz, das ist eine erstaunliche Premierenreihe. Insofern kommt jetzt «Written on Skin» von George Benjamin gar nicht so überraschend. Aparterweise war das Stück schon einmal im Prinzregententheater zu sehen. 2013, bei den Münchner Opernfestspielen, als die Bayerische Staatsoper (wie viele andere Häuser) die Uraufführungsproduktion von Katie Mitchell eingekauft hatte. Die aktuelle Lösung von Regisseur Balázs Kovalik, Studiengangsleiter ...
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Opernwelt Mai 2025
Rubrik: Magazin, Seite 86
von Markus Thiel
Mangelnde Aktualität: Das war einer der stärksten Vorwürfe, denen sich die Gattung Oper in den vergangenen Jahrzehnten ausgesetzt sah. Als nach dem Zweiten Weltkrieg die Existenz des Musiktheaters als kultureller Selbstzweck immer mehr in Frage gestellt wurde, ging es plötzlich darum, was die Oper denn überhaupt «bringe»: was genau ihre Stoffe vermitteln könnten,...
Nicht wenige Opernkomponisten (und keineswegs nur diejenigen, die lediglich eines geschrieben haben, wie Beethoven) werden auf ein einzelnes Werk reduziert. Bei Carl Maria von Weber etwa denkt jeder sofort an den «Freischütz». «Oberon», «Euryanthe» und «Silvana» hingegen fristen ein trauriges Schattendasein. Camille Saint-Saëns wird wohl noch in 100 Jahren als...
An Gesamtaufnahmen des «Rinaldo» herrscht kein Mangel. Was wir hören, ist stets die erste Fassung, deren Premiere am 24. Februar 1711 im Londoner Queen’s Theatre am Haymarket und auch danach wahre Begeisterungsstürme auslöste. 1731 später bearbeitete Händel «Rinaldo» aber derart radikal, dass man fast von einem neuen Werk sprechen muss. Die Stimmlagen fast aller...
