Plündern, kürzen, streichen

Aus Händels Werkstatt: «Rinaldo» und «Lotario» in durchwachsenen Neuaufnahmen

Opernwelt - Logo

An Gesamtaufnahmen des «Rinaldo» herrscht kein Mangel. Was wir hören, ist stets die erste Fassung, deren Premiere am 24. Februar 1711 im Londoner Queen’s Theatre am Haymarket und auch danach wahre Begeisterungsstürme auslöste. 1731 später bearbeitete Händel «Rinaldo» aber derart radikal, dass man fast von einem neuen Werk sprechen muss. Die Stimmlagen fast aller Partien wurden revidiert, eine Rolle gestrichen, Arien ausgeschieden und neue hinzugefügt, ja selbst die Handlung verändert.

Die verführerische Zauberin Armida und der sarazenische König Argante bekehren sich nach ihrer Niederlage gegen die Kreuzritter nun nicht mehr zum Christentum, sondern fliehen – durch Magie besiegt – auf einem Drachenwagen. Auch die spektakulären Bühnen- und Maschineneffekte sind zurückgefahren. Farbig und phantastisch allerdings bleibt das Torquato Tassos Epos vom «Befreiten Jerusalem» entnommene militärisch-erotische Geschehen allemal, und die musikalische Dramaturgie vermag, wie stets in Händels großen Opern, zu überzeugen.

In der neuen Aufnahme dieser Fassung ragt die Sopranistin Roberta Mameli als Almirena hervor, die von Armida entführt wird und sich den Nachstellungen Argantes erwehren muss. ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2025
Rubrik: Medien, Seite 34
von Uwe Schweikert

Weitere Beiträge
Ich hab dir immer einen Rosengarten versprochen

Im Übergang vom 17. zum 18. Jahrhundert waren Opernaufführungen in Rom verboten. Die amtierenden Päpste sahen im weltlichen Musiktheater Symptome menschlicher Verdorbenheit, die es zu bekämpfen galt. Die römischen Liebhaber und Förderer der Musik wussten sich aber zu helfen und gaben statt Opern Oratorien in Auftrag, die sie nicht in Theatern, sondern in privaten...

Gegen das Vergessen

Die Greek National Opera bringt im Großen Saal ihres architektonisch wunderbaren Renzo-Piano-Baus regelmäßig die großen Repertoirestücke heraus. Direkt nebenan gibt es mit der «Alternative Stage» eine weitere Spielstätte für rund 500 Gäste; der multifunktionale Raum ist wohl einer der wenigen Orte überhaupt, wo es möglich ist, pro Spielzeit vier neue Bühnenwerke zu...

Unendlicher Reichtum

Jean-Baptiste Lullys 1674 in Paris uraufgeführte «Alceste» nimmt in der Geschichte der französischen Oper eine Schlüsselstellung ein. Es war die erste in der von Lully und seinem Librettisten Philippe Quinault erfundenen neuen Gattung der «in Musik gesetzten Tragödie», die mit dem antiken Vorbild in Konkurrenz trat. Von der «Alkestis» des Euripides ist freilich...