Sinnenfällige Pracht

Christa Ludwig zum 90. – zwei Editionen erinnern an die singuläre Spannkraft einer Jahrhundertstimme

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Im Handbuch «Komponieren für Stimme» zitiert Arne Stollberg in seinem Aufsatz «Exzesse des Schwelgens» einen Essay Paul Bekkers: «Klang und Eros». Er spricht darin von dem eigentümlichen Zauber, der von einer aus der Ferne erklingenden Frauenstimme ausgehe – vom musikalischen Eros, den kein Instrument zu imitieren vermöge. Diese Erfahrung machte ich (wenn die persönliche Bemerkung erlaubt ist), als ich Christa Ludwig 1962 in Wien zum ersten Mal hörte – als Octavian.

Wie sie war, daran erinnern nun zwei Editionen aus den Katalogen der Deutschen Grammophon und der von Warner übernommenen EMI. Auf insgesamt 23 CDs ist sie als Oratorien- und Konzertsängerin zu erleben: unter anderem in Bachs Matthäus-Passion und der Messe in h-Moll; in Verdis Requiem und Mahlers «Lied von der Erde» unter Otto Klemperer (mit Fritz Wunderlich als Partner); in Symphonien von Mahler und Leonard Bernstein («Jeremiah»); in Opern von Wagner, Verdi, Humperdinck, Strauss und Puccini; endlich als Sängerin auf vielen Feldern des Liedgesangs. 

Auch wenn Ludwig ihre Stimme in den 1960er-Jahren, herausgefordert durch ihre «großen Drei» (Böhm, Karajan, Bernstein), die sie für dramatische Partien gewinnen wollten, ...

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Opernwelt Juli 2018
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 24
von Jürgen Kesting

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