«Singen ist Sport genug!»

Sie ist eine gefragte Frau, ihr Terminkalender über Jahre hinaus gefüllt. Gerade arbeitet BRIGITTE FASSBAENDER an ihrem Regie-Gipfelwerk, Wagners «Ring des Nibelungen». Ein Gespräch über den widersprüchlichen und gefährlichen Sängerinnenberuf, Stimmen von der Stange und Inszenierungen, die Brimborium aus «Notwehr» einsetzen

Opernwelt - Logo

Frau Fassbaender, Sie haben einmal in einem Interview gesagt: «Ich habe ein schlechtes Gewissen beim Nichtstun, vielleicht kann ich mir das abgewöhnen.» Sind schon Fortschritte erkennbar?
Nein. Ich bin immer noch rastlos, auch in den Ferien. Da ich eingedeckt bin mit Inszenierungen, hört die Kopfarbeit nicht auf. Das finde ich ja gut! Immerhin: Ich bin so weit, dass ich manchmal abschalten kann. Aber ich habe ein schlechtes Gewissen, wenn ich brachliege.

Und das war schon immer so?
Immer. Wenn man singt, gibt es ohnehin kaum Ruhepausen.

Insofern kommt man aus der Tretmühle selten raus – es sei denn, man schafft sich bewusst und mit Nachdruck Regenerationspausen.

Braucht man die als Regisseurin vielleicht noch mehr?
Vor allem braucht man Zeit zur Vorbereitung. Der «Ring», der gerade für Erl entsteht, hält mich ständig in Atem.

Sind Sie auch einmal mit sich zufrieden?
Ich? Zufrieden? Nie! Aber der «Ring» zum Beispiel ist eine Art Work in Progress. Wenn er 2024 komplett gezeigt wird, werden alle Stücke nochmals durchgearbeitet. Auch wenn ich nie zufrieden bin: Ich bin dankbar und froh, dass es bis jetzt so gut gelaufen ist. «Unzufriedenheit» bedeutet im Übrigen nicht unbedingt ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt 12 2022
Rubrik: Interview, Seite 56
von Markus Thiel

Weitere Beiträge
Große Kelle

Das Stück ist eine Sensation, in mehr als einer Hinsicht. 1860 an der Pariser Opé-ra-Comique uraufgeführt, danach in der Schublade verschwunden, 2018 in Strasbourg wieder ans Licht gehoben – in «Barkouf» erzählen Jacques Offenbach und sein Librettist Eugène Scribe die absurde Geschichte eines Hundes, der von einem der Aufmüpfigkeit seines Volkes überdrüssigen...

Ein Traum in Chamois

Kein Grieseln und Grausen, überhaupt kein finsterer Hexenwald wie im Märchen. Es ist ja auch keines. Humperdincks «Königskinder» (im Schatten des so viel populäreren Stücks «Hänsel und Gretel») können ja nicht leben, glücklich bis an ihr Ende, sie sterben einen elenden Kältetod, und sei er noch so betörend überglänzt von Verklärungsmusik und Kinderchor! Es ist ein...

Sieben Fragen an Alexandra Steiner

Wann haben Sie zuletzt in der Oper geweint?
Ich habe ganz schrecklich geweint in der «Jenůfa»-Inszenierung von Calixto Bieito in Stuttgart – nicht ahnend, dass ich kurz darauf in genau dieser Produktion als Jano debütieren sollte. Danach eher selten. Gut, Rodolfos «Aufschrei» ist schon herzzerreißend. Und manchmal bin ich auch nahe der Rührung, weil Musik ab und an...