Sex ist nicht alles
Der Titelheld der Geschichte ist ein Verführer. Ein Sexprotz mit einem Eroberungsverzeichnis, das stolze 2065 Eintragungen aufweist. Was also liegt näher, mag sich Regisseur Georges Delnon, in Richtung Basel scheidender Intendant des Mainzer Staatstheaters, gefragt haben, als jede Menge Sex auf der Bühne?
So lag gleich am Anfang Donna Anna nur spärlich verhüllt auf der Bühne, schlief Donna Elviras Zofe nackt im Zimmer ihrer Herrin. Bei dieser wiederum versuchte Leporello schon während der Registerarie sein Glück.
Da zugleich auch Masetto und Zerlina hinter der Szene mit Kopulation beschäftigt waren, gab es lautstarke synchrone Lustschreie zu vernehmen. Don Giovanni schließlich vernaschte noch die unglückliche Donna Elvira, während die Statue des Komturs – in Mainz eine kopflose Schaufensterpuppe – schon vor seiner Tür stand.
Das andere Prinzip von Delnons Regie bildeten aparte Bildfantasien und ständige Bewegung. Da war alles stets mobil, transportierten Laufbahnen die Akteure über die Bühne. Immer wieder verdeckte eine fahrbare Zwischenwand die Darsteller, um den Blick auf sie dann gleich wieder freizugeben; Schaufenster-ähnliche, fahrbare Kästen garantierten variable ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Die Selbstverständlichkeiten zuerst: Natürlich gibt es wieder viel entblößtes Fleisch zu besichtigen in Calixto Bieitos jüngster Regiearbeit. Visuelle Drastik, ein brachialer, unnachgiebig auf kathartische Schockwirkung setzender kritischer Realismus – diese Essenzen des Bieito-Stils prägen auch bei «Wozzeck» im Haus an den Ramblas die Szene. Da macht sich...
So etwas kann sich nur ein Sammlerhirn ausdenken – und alle, die ähnlich ticken, dürfen sich nun bei ihm bedanken. Andreas Ommer besitzt ein solches Hirn. Er hat mehr als fünfundzwanzig Jahre lang nach Opernaufnahmen gefahndet, um sie karteikartentauglich zu machen. Heute nutzt man für solche Projekte bekanntlich andere Medien, daher liegen Ommers...
Wenn Zürich jetzt Händels «Orlando» von 1733 herausgebracht hat, wünscht man sich, dass Alexander Pereira die beiden anderen Händel-Opern nach Ariost, nämlich «Ariodante» (1734) und als Wiederaufnahme «Alcina» (1735) folgen lassen möge, um alle drei dann zu einer Trilogie zusammenzuschließen (nach dem Vorbild der Zürcher römischen «Kaiser»-Trilogie mit Monteverdis...
