Auf schmalem Grat
Von einem, der auszog, das Fürchten zu lehren. Auch er verliert sich so hemmungs- wie rücksichtslos in hochfliegende Lügenträume, in «alternative facts». Er möchte Kaiser der Welt sein und ist doch bloß Kaiser der Selbstsucht. Auch er wohnt irgendwann mal in einem weißen Haus, allerdings einem aus Holz gezimmerten. Auch er hat rotblonde Haare, doch nicht als Helmfrisur, sondern zum Pferdeschwanz gebunden. Und er sucht nicht ständig rechthaberisch mit spitzem Zeigefinger Löcher in die Luft zu bohren. Denn es ist nicht der, an den wir jetzt denken.
Sondern Peer Gynt, der Titelheld von Werner Egks Oper nach Henrik Ibsen, wiederauferstanden im Theater an der Wien.
Und als solcher steht Bo Skovhus zu Beginn vor dem Vorhang, starrt minutenlang provokativ ins Auditorium, ehe Dirigent Leo Hussain dem Radio-Symphonieorchester des ORF den Einsatz gibt und der Abend sich musikalisch entwickelt. Was wiederum ein zweischneidiges Unterfangen ist. Denn ob man Josef Müller-Marein (dem ehemaligen Chefredakteur der «Zeit») zustimmen möchte, der 1966 zu Werner Egks 65. Geburtstag von der «Fülle der Talente» schrieb, die den Komponisten «dazu begnadete, für sich selbst zu leben, ohne nach den anderen ...
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Opernwelt April 2017
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Gerhard Persché
Geliebt wird man nur, wenn man Schwäche zeigen darf. Nicolai Gedda zeigte Schwäche bei einem Liederabend in der Hamburger Oper, den er im Herbst seiner Karriere gab. Im Herbst? Es war am 19. Januar 1998, er war 72 Jahre alt. Am Ende des ersten Teils mit Liedern von Richard Strauss hatte er gegen einen «Frosch im Hals» kämpfen müssen. Nach der Pause, nun mit...
Wenn’s so klingt wie hier, muss einem um Europa nicht bange sein. Freilich ist dabei weder vom Kontinent dieses Namens die Rede noch von einer Europäischen Union in Zerrüttungsgefahr, sondern von «Europa riconosciuta», Antonio Salieris Oper. Und von der Titelpartie in der Gestaltung durch Diana Damrau zur Inaugurazione des Teatro alla Scala 2004 (die DVD kam erst...
Frau Tzavara, was unterscheidet eine Oper für Erwachsene von einem Musiktheater für Kinder?
Generell nicht viel, außer der Länge. Bei Sechs- bis 14-Jährigen liegt der Standard bei 60, 70 Minuten ohne Pause. Wenn wir von Jugendopern sprechen, vertragen die jungen Zuschauer auch schon anderthalb Stunden. Wir hoffen ja immer, dass die Konzentrationsfähigkeit zunimmt. (...
