Doppelgänger
Künstlerisch zunehmend erfolglos, aber trotzdem nach wie vor ein gefragter «Markenartikel», nahm der alternde Ruggero Leoncavallo das Angebot der Londoner Music Hall «Hippodrome» gerne an, dort eine halbstündige Kurzfassung seiner «Pagliacci» herauszubringen. Der Erfolg war überwältigend. Zweimal täglich wurde diese Version unter seiner Stabführung gespielt, aus den geplanten zwei Gastspielwochen wurden sechs. Also nahm der Komponist mit Freuden einen weiteren Auftrag an und komponierte für das «Hippodrome» eine Oper in veristischer Manier: «Zingari» (Die Zigeuner).
Als Vorlage diente Alexander Puschkins Verserzählung «Cygany», die unter dem Titel «Aleko» bereits 20 Jahre zuvor von Sergej Rachmaninow in Opernform gebracht worden war.
Eine junge «Zigeunerin» bringt ihren Geliebten, einen vornehmen Städter, ins Lager und setzt beim Stammesoberhaupt die Heirat mit ihm durch. Ein paar Monate später wendet sich das Liebesglück. Die Zigeunerin gibt sich einem Stammesgenossen hin; Aleko, der bei Leoncavallo Radù heißt, tötet sie und ihren Liebhaber. Die Parallelen zu den «Pagliacci» liegen auf der Hand. Leoncavallo diente sich mit diesem durch ein Intermezzo geteilten Zweiakter dem ...
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Opernwelt November 2021
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 26
von Ekkehard Pluta
In der Causa Isolde herrscht im Grunde Einigkeit: Diese Rolle zu singen, ist unglaublich schwierig, psychisch wie stimmlich über alle Maßen anstrengend. Catherine Foster tritt in Füssen den Gegenbeweis an: Plötzlich wirkt all das Schwere so leicht, naturhaft, ursprünglich. Gebannt hängen wir an den Lippen ihrer irischen Königsbraut, erleben, wie sie sich aus ihrer...
Seine erste wichtige Musiktheater-Uraufführung an der Komischen Oper war eine dramatische Liebesgeschichte aus den Zeiten des russischen Bürgerkriegs 1919: Auf der einen Seite steht die Rotarmistin Marjutka, auf der anderen der Gardeleutnant Goworucha-Otrok von der Weißen Garde. Sie lieben sich, doch am Ende wird die fanatische Kommunistin ihre Gefühle überwinden...
Der Anfang ist witzig. Aus einem Bühnenloch klettern Fatty und Dreieinigkeitsmoses heraus auf die schwarz glänzende, leere Fläche, doch nicht als gewöhnliche Ganoven. Jens Larsen trägt den Talar eines salbadernden protestantischen Pfarrers, Ivan Turšić gibt, sehr pointiert, einen jüdischen Rabbi. In den Händen halten sie ihre Gebetsbücher, aber nicht allzu fest....
