Selbst die Hölle ist hier ein Himmel
Am Ende rennt sie ihm davon. Frisch getraut, reißt sie sich den Schleier vom Kopf, knallt ihm den Brautstrauß vor die Füße - nichts wie weg! Das ist bei Händel natürlich nicht so vorgesehen, aber aus heutiger Sicht, zumal aus weiblicher Regieperspektive, darf sich eine junge Frau nicht mehr als Dummchen verkaufen lassen – nach all dem, was ihr widerfahren ist. Schon im zweiten Akt ist für Ginevra nichts mehr so, wie es im ersten noch gewesen war.
Und so heiter, in ungebrochener Festtagsstimmung für die bevorstehende Hochzeit, kann es im letzten Akt, nach der zerstörerischen Intrige, auch nicht mehr weitergehen: Der gutgläubige Bräutigam Ariodante hatte sich von seinem Konkurrenten Polinesso täuschen lassen. Mit Hilfe von Ginevras Schwester Dalinda (im Original ist sie ihre Dienerin) spielt er Ariodante die Untreue seiner Braut vor. Daraufhin will sich dieser das Leben nehmen. Ginevras Schwager in spe, Lurcanio, und ihr Vater, der ihr das vermeintliche Ableben Ariodantes mitgeteilt hatte, drängen aus Rache und wegen ihres «schamlosen» Verhaltens auf die Todesstrafe. Schließlich geht es um die Ehre des schottischen Königshauses. Und sie, die Prinzessin, die überhaupt nicht mehr weiß, ...
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Opernwelt Januar 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Lotte Thaler
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Woher soll ich das denn wissen? Allein die Frage ist schon falsch. Jedenfalls kann ich sie nicht beantworten. Aber ich will es mal so sagen: Es wäre furchtbar, wenn es so bliebe, wie es jetzt ist.
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Am Abend des Jahres 1837 ging an der Pariser Oper der Tenorgesang eine freundliche Allianz mit der Athletik ein. Und zwar dank Gilbert Louis Duprez als Melchthal in Rossinis «Guillaume Tell»: In der Arie «Asile héréditaire» schleuderte er ein ut de poitrine, ein aus dem Brustregister gestemmtes hohes C, in den Raum wie ein Hammerwerfer sein Gerät. Es war quasi die...
