Selbst die Hölle ist hier ein Himmel
Am Ende rennt sie ihm davon. Frisch getraut, reißt sie sich den Schleier vom Kopf, knallt ihm den Brautstrauß vor die Füße - nichts wie weg! Das ist bei Händel natürlich nicht so vorgesehen, aber aus heutiger Sicht, zumal aus weiblicher Regieperspektive, darf sich eine junge Frau nicht mehr als Dummchen verkaufen lassen – nach all dem, was ihr widerfahren ist. Schon im zweiten Akt ist für Ginevra nichts mehr so, wie es im ersten noch gewesen war.
Und so heiter, in ungebrochener Festtagsstimmung für die bevorstehende Hochzeit, kann es im letzten Akt, nach der zerstörerischen Intrige, auch nicht mehr weitergehen: Der gutgläubige Bräutigam Ariodante hatte sich von seinem Konkurrenten Polinesso täuschen lassen. Mit Hilfe von Ginevras Schwester Dalinda (im Original ist sie ihre Dienerin) spielt er Ariodante die Untreue seiner Braut vor. Daraufhin will sich dieser das Leben nehmen. Ginevras Schwager in spe, Lurcanio, und ihr Vater, der ihr das vermeintliche Ableben Ariodantes mitgeteilt hatte, drängen aus Rache und wegen ihres «schamlosen» Verhaltens auf die Todesstrafe. Schließlich geht es um die Ehre des schottischen Königshauses. Und sie, die Prinzessin, die überhaupt nicht mehr weiß, ...
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Opernwelt Januar 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Lotte Thaler
What would you do if you knew that this was the last night of the world?» Diese Frage steht im Mittelpunkt der Kammeroper des katalanischen Komponisten Agustí Charles und seines Librettisten Marc Rosich. Sie stellt die Essenz des Stücks dar und appelliert an die wirklich «wichtigen Dinge» dieses und allen potenziellen Lebens. Denn ein Traum kündigt das Ende der...
Auch im Märchenland ist eines klar: Jeder Topf hat seinen Deckel, jeder Prinz muss seine Prinzessin finden. Die Herren der Schöpfung sind dabei mehrheitlich langlockige, muskulöse junge Kerle in Strumpfhosen, die sich an Gemächt und Hintern, Schenkeln und Waden dermaßen gehörig ausbeulen, dass es schon fast ungehörig ist. Und wenn sich ihr Sixpack nicht ohnehin...
Statt Oper erst mal ein Klavierlied, statt der nicht existenten Ouvertüre zur «Bürgerlichen Komödie» zuerst einmal auf leerer Bühne das Kunststück «Cäcilie» op. 27 Nr. 2. Das hatte der 30-jährige Komponist 1894 seiner Ehefrau, der Opernsängerin Pauline de Ahna, zur Hochzeit geschenkt. Axel Ranisch verknüpft den hier im Opernparlando wuselnden realen...
