Sehnsucht nach Stille
Den Titel ihres kürzlich erschienenen Memoirenbandes darf man durchaus als Lebensmotto verstehen: «Leicht muss man sein». Der Versuchung, sich das (ihr von Karl Böhm, Bernstein, Karajan und anderen angetragene) hochdramatische Fach zu erobern, hat sie widerstanden. Als Elvira, Dorabella, Carmen, Adalgisa, Octavian oder Marschallin aber – um nur einige ihrer Glanzpartien zu nennen – verzauberte Christa Ludwig das Publikum mit einer noblen, sinnlichen, durch Krisen gereiften Mezzostimme, die scheinbar mühelos feinste Ausdrucksnuancen bewältigte.
Vor einem Vierteljahrhundert hat sie sich von der Bühne zurückgezogen. Was bleibt? Ihre Kunst auf Tonträger – und ein unverstelltes Strahlen von innen
Frau Ludwig, Ihr Abschied von der Bühne liegt lange zurück, fehlt Ihnen nichts?
Ich habe beherzigt, was meine Mutter gesagt hat: «Bedenke, dein Beruf ist nur Theater.» Ich kann auch ohne Gesang, Oper und Theater leben. Es war sehr schön, dass ein Kritiker damals geschrieben hat: «Warum hört sie auf?» Das ist doch viel besser, als wenn es geheißen hätte: «Was, die alte Kuh singt immer noch?»
Ihr Abschiedskonzert im Wiener Musikverein kann man auf YouTube finden. Sogar die Zugabe ist dabei, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Ohne den dunklen Gevatter funktionierte diese Forschung früher nicht. Sehr genaue, anatomisch weitgehend korrekte Zeichnungen konnte Leonardo da Vinci im 15. Jahrhundert anfertigen, von der Zunge, vom Rachen, vom Kehlkopf. Doch vor der Niederschrift seiner Forschung samt Illustrationen stand die Arbeit mit dem Messer. Das Universalgenie schnitt die Hälse...
Die Inszenierungen, in denen sie auftrat, besaßen wenig oder gar keine Sprengkraft. Umso mehr durfte man sich an der vokalen Virtuosität erfreuen, die Anna Netrebko versprühte – als Maddalena di Coigny im Mailänder «Andrea Chénier», wo sie für «die einsam hohe Kunst der cremigen Phrasierung, hell-licht schwebende Spitzentöne, glühende Piani und gutturale...
Trompeten erschallen mit mutigem Ton und gehen, während daß verwandelt wird, in ein wildes Kriegsgetümmel über, das Orchester fällt ein bei offener Szene und wird von kriegerischen Instrumenten hinter der Szene begleitet.» Keine Frage: Friedrich Schiller wusste ziemlich genau, was er hören wollte zwischen der fünften und sechsten Szene des zweiten Akts seiner...
