Sehnsucht nach der Jugend

Hans Werner Henzes «Gisela oder: Die merk- und denkwürdigen Wege des Glücks» bei der Ruhrtriennale

Die Gladbecker Halle Zweckel im Norden des Ruhrgebiets ist ein imposanter Bau aus den heroischen Zeiten der Schwerindustrie. Nostalgie hängt im dunstigen Luftraum. Der erhebt sich hoch über den Gleisen, die Christof Hetzer unten auf dem Hallenboden in altem Stil neu verlegen ließ. Birkenbäumchen wachsen aus dem Schotter. Eine idyllisierte Industriebrache, wie so viele Spielorte der Ruhrtriennale. Dargestellt werden soll hier freilich der Bahnhof Napoli Centrale.

Unter einem Screen, der über einem Laufsteg hängt, kommt der nachtaktive Reiseführer Esposito zum Vorschein – in Gestalt von Fausto Reinhart ein gut genährter, doch agiler Kindskopf mit kraftvoller, aber auch melancholischer Stimme. Er bringt nicht nur angereisten Nordlichtern die Sehenswürdigkeiten Neapels näher, sondern treibt nebenbei als Pulcinella in einer Theatergruppe sein neckisches Spiel.

Auf Gleis 1 rollt ein Zug ein. Eine Studentin aus Deutschland mit dem schönen Namen Gisela Geldmaier steigt aus. Sie kommt mit dem Vulkanforscher Hanspeter Schluckebier aus Oberhausen ins Land, wo die Zitronen blühen. Aber das Paar ist sich nicht mehr grün. Michael Dahmen gibt den linkischen Wissenschaftler; er hat eine markante, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt November 2010
Rubrik: Im Focus, Seite 26
von Frieder Reininghaus

Vergriffen
Weitere Beiträge
Späte Ernte

Uraufführung? Cherubini? Koukourgi? Bei Letzterem denkt man ans französische Wort für Kürbis, courge; bei Luigi Cherubini an die französische Revolution. Und liegt mit diesen Assoziationen durchaus richtig. Denn den Namen des Titelhelden erfand Librettist Honoré-Marie-Nicolas Duveyrier lautmalerisch und mit feinem Sinn für das double entendre nach einem Sprichwort...

Wandern mit Wagner

Seit Jahrhunderten ist der Gotthard zentrale Verbindung durch die Alpen in Richtung Süden. Heute gehört der dortige Tunnel zu den Selbstverständlichkeiten von Millionen Urlaubern. Schlagzeilen darüber gibt es nur selten, es sei denn ein Unfall löst, wie 2001 Brände aus. Damals starben elf Menschen. In früheren Zeiten, als an einen Tunnel noch nicht zu denken...

Trauerfahnen, (Schein-)Heilige, Himmelsstürmer

Seit mehr als drei Jahren reißen die Spekulationen über die Zukunft von Rolando Villazón nicht ab. Wenn er ein Konzert nicht abbricht wie am 7. August in Kopenhagen oder ganz absagt wie in Verbier, wird er von fanatischen Verehrern mit entrollter mexikanischer Flagge begrüßt. «Trauerfahnen wären», wie Ulrich Weinzierl nach dem Salzburger Konzert 2010 anmerkte,...