Seelenräume
An Pina Bausch kommt man auch in Braunschweig nicht vorbei. Wenn im Programmheft auch nicht von ihr die Rede ist, lässt sich das Bühnenereignis doch kaum ohne ihre Vorarbeit denken. 1977 beschäftigte sie sich in Wuppertal mit Bartóks Operneinakter – das Ergebnis ihrer Recherche ist unter dem Titel «Blaubart. Beim Anhören einer Tonbandaufnahme von Bartóks Oper ‹Herzog Blaubarts Burg›» in die Theaterannalen eingegangen: eine getanzte Aufführung, mit der die Choreografin wie kaum jemand zuvor in die tiefsten Schichten des Werks vordrang.
Auch am Staatstheater wird getanzt; die Inszenierung mit dem bezeichnenden Titel «Körperfestung/Herzog Blaubarts Burg» wird schließlich als spartenübergreifendes Projekt angekündigt. Noch bevor die Vorstellung musikalisch beginnt, ist auf der Bühne bereits Blaubart zu sehen, und das in knalligem Rot. Eine schwarze Schürze umgebunden geriert er sich wie ein Alter Ego von Hermann Nitsch, der zwar nicht selbst in Blut badet, aber doch eine nackte Tänzerin sich immer wieder in Farbe wälzen lässt, bis sie ihre Körperspuren auf der weißen Leinwand hinterlässt. Wie eine Trophäe aufgehängt, ahnt man auch so, was sich in Blaubarts Innerstem, was sich hinter ...
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Opernwelt Juli 2024
Rubrik: Panorama, Seite 53
von Hartmut Regitz
In einem Selbstinterview gab Glenn Gould 1972 seine Abneigung gegen Beethovens «König-Stephan-Ouvertüre» freien Lauf – «mehr oder minder von der ersten bis zur letzten Note». Die folgenden neun Nummern dieser anlässlich der Eröffnung des Deutschen Theaters in Pest am 9. Februar 1812 komponierten Schauspielmusik erwähnte der kanadische Pianist erst gar nicht. Eine...
Die Geschichte spielt in vorchristlicher Zeit, und sie ist so abenteuerlich, so absurd, dass man heftig das Haupt schütteln müsste, wüsste man nicht um den Erfindungsreichtum jenes Mannes, der sie niederschrieb: Pietro Metastasio bewies auch mit «Alessandro nell’Indie» auf Racines Tragédie «Alexandre le Grand» aus dem Jahr 1665 (die wiederum ihre frühen Quellen bei...
Auch Erfolge können altern. Bertolt Brechts und Kurt Weills «Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny» jedenfalls hat in Stuttgart einen faden Nachgeschmack hinterlassen. Das diabolische Spiel, das Brechts gleichermaßen opern- wie kapitalismuskritischer Text hier auftischt, und das diabolische Vergnügen, das Weills kulinarisch schmissige Musik dagegen setzt, finden –...
