Seelenräume
Mit realistisch ausgerichtetem Musiktheater würde man sich bei Mozarts «Idomeneo» mit seiner noch in vielem den Abläufen der alten Opera seria geschuldeten Form schwer tun. So verzichtete Kay Kuntze in seiner Bremer Regiearbeit denn auch auf wirklichkeitsgetreues szenisches Abbilden und verlegte sich auf eher rational durchgestaltete Bewegungsabläufe von distanzierter Emotionalität, bisweilen verlangsamt oder ritualisiert im Stil von Robert Wilson.
Affekte wurden unterstrichen durch charakteristische, expressive Gesten, und neu hinzuerfundene stumme Figuren – die Geister von erschlagenen Trojanern bei den Auftritten der Ilia etwa – dienten der Visualisierung unterschwelliger Stimmungen. Ein insgesamt unaufgeregtes, weniger an äußerlicher Dramatik denn an der Verdeutlichung von Seelenzuständen orientiertes Szenogramm, dem Werk gegenüber von subtilem, aber nie sich vordrängendem Deutungsanspruch.
Ganz ähnlich das mit neuesten technischen Mitteln gestaltete Bühnenbild der Bremer Licht-Designerfirma Urbanscreen. Diese «Lichtakrobaten», wie sie sich selbst bezeichnen, haben eine neuartige Videotechnik entwickelt, die passgenaue Projektionen auf ein reales Objekt ermöglicht. Für das ...
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Opernwelt Mai 2011
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Gerhart Asche
Immo Karaman hatte in der letzten Spielzeit mit Brittens «Peter Grimes» sein Regiedebüt an der Düsseldorfer Rheinoper gegeben (siehe OW 11/2009). Jetzt setzte er sich dort mit Brittens aufwändigster Oper, dem 1951 uraufgeführten «Billy Budd», auseinander. Wie schon bei «Peter Grimes» verweigert Karaman jede vordergründige Aktualisierung, gar plakative Bebilderung...
Je länger diese Aufführung dauert, desto stärker keimt ein Verdacht: Womöglich hat man sich bei Wagners «Tristan und Isolde» schon an zu viel gewöhnt. An Dirigenten, die ihr Heil im effektvollen Ertrinken und Versinken suchen und darob ihren Job als strenger Steuermann vergessen. Auch an Orchester, die willig und billig alles mit Emotion fluten, wo doch minutiöse...
«Schäm’ dich!» – ein Zuschauer konnte sich nicht zurückhalten, als der römische Bürgermeister Gianni Alemanno vor der «Nabucco»-Premiere auf die Bühne des Teatro dell’Opera trat, um die gravierenden Subventionskürzungen im italienischen Kulturhaushalt anzuprangern, beschlossen von jener Regierung Berlusconi, die Kultur als etwas potenziell «Linkes» und damit...
