Schwarze Löcher
Den verletzten Bullen hatten wir schon. Den dumpfen Angstbeißer, auch den freundlichen Onkel, hinter dessen Empathie-Fassade das Grauen lauert. Aber diese Version von Peter Grimes scheint neu und interessiert uns schon mal prinzipiell. Ein Freak. Irgendwo zwischen Woodstock und Oberammergau. Ein sonderlicher Aussteiger, der in einer Höhle am rechten Bühnenrand haust, die Spießbürger des Dorfes verachtet und weiland – als die Partei noch frisch und frech war – wahrscheinlich die Grünen gewählt hätte.
Am Staatstheater Augsburg bewegt dieser Peter aber nur den Mund.
Richard Furman, während der Proben für Jacques le Roux eingesprungen, ist in der Premiere indisponiert und lässt sich vom Kollegen Peter Marsh vokal doubeln. Beide machen das ganz ausgezeichnet. Furman, der sich mit Lust in seine eigenwillige Charakterstudie stürzt, und Marsh, der Grimes mit sehrendem, klug am Text orientiertem Tenor und ohne Helden-Attitüde singt. Doch so sehr man diesen Titelhelden den Abend über verfolgt: Richtig nahe rückt er einem nicht. Wie sich überhaupt die Frage stellt, ob Regisseur Dirk Schmeding, bei aller Lust an der Rollenzeichnung, Grimes nicht eine Spur zu kleinformatig geraten ist. Warum ...
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Opernwelt 7 2022
Rubrik: Panorama, Seite 57
von Markus Thiel
Die Themen sind uralt, mehr noch: Sie bilden sogar die Grundrezeptur von (Musik-)Theater. Liebe, Tod, sich daraus entspinnende Konflikte, unlösbar (oder endend) im Licht – bis hin zu extremen, perversen Ausprägungen, wo es beispielsweise um missbrauchte Stieftöchter geht, die nach abgeschlagenen Prophetenköpfen gieren. Insofern erzählen uns Georg Friedrich Haas und...
Einst war einmal im grünen Wald der Max,
Der wollte frei’n des Erbförsters Agathen.
Doch länger schon, ihr könnt‘ es sicher raten,
Gab’s selten Fleisch daheim, und wenn: vom Dachs.
Ein Jägerchor macht «Trallala» und rotzt
Den Becher voll mit Bier und Speisebreien.
Da hilft beim Weber Carl nur weiter Schreien,
Auf dass man dann halt weiter säuft – und kotzt.
Der...
So etwas gibt es. Alle machen alles irgendwie richtig, und trotzdem fehlt am Ende etwas. Im Falle der neuen Oper des französischen Komponisten und Organisten Thierry Escaich ist das so. Escaich brachte 2013 seinen Erstling «Claude» (auf ein Libretto des ehemaligen französischen Justizministers Robert Badinter) in Lyon heraus – eine musikalisch wie szenisch...
