Schwarze Löcher

Britten: Peter Grimes in Augsburg

Opernwelt - Logo

Den verletzten Bullen hatten wir schon. Den dumpfen Angstbeißer, auch den freundlichen Onkel, hinter dessen Empathie-Fassade das Grauen lauert. Aber diese Version von Peter Grimes scheint neu und interessiert uns schon mal prinzipiell. Ein Freak. Irgendwo zwischen Woodstock und Oberammergau. Ein sonderlicher Aussteiger, der in einer Höhle am rechten Bühnenrand haust, die Spießbürger des Dorfes verachtet und weiland – als die Partei noch frisch und frech war – wahrscheinlich die Grünen gewählt hätte. 

Am Staatstheater Augsburg bewegt dieser Peter aber nur den Mund.

Richard Furman, während der Proben für Jacques le Roux eingesprungen, ist in der Premiere indisponiert und lässt sich vom Kollegen Peter Marsh vokal doubeln. Beide machen das ganz ausgezeichnet. Furman, der sich mit Lust in seine eigenwillige Charakterstudie stürzt, und Marsh, der Grimes mit sehrendem, klug am Text orientiertem Tenor und ohne Helden-Attitüde singt. Doch so sehr man diesen Titelhelden den Abend über verfolgt: Richtig nahe rückt er einem nicht. Wie sich überhaupt die Frage stellt, ob Regisseur Dirk Schmeding, bei aller Lust an der Rollenzeichnung, Grimes nicht eine Spur zu kleinformatig geraten ist. Warum ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt 7 2022
Rubrik: Panorama, Seite 57
von Markus Thiel

Weitere Beiträge
Momentweise utopisch

Ein garstig Lied! Pfui! Ein politisch Lied! Ein leidig Lied!» Des Branders Sinnieren in Auerbachs Keller gehört zu den obligaten «Faust»-Zitaten, auch im Sinne einer nicht minder «klassischen» Dreiteilung der Lebensbereiche: volkstümliche Lustbarkeit, «hohe» Kultur, schnöde Politik. Das Wahre, Gute, Schöne als erhabener Widerpart zur allemal prekären...

Totaltheater

Ein «lyrisches Märchen» hat Antonín Dvořák seine 1901 uraufgeführte Oper «Rusalka» genannt. Um ein Mensch zu werden und eine Seele zu erwerben, muss die Nixe ihre Stimme aufgeben. Ohne Sprache ist sie aber nur ein Phantom für den Prinzen, dessen Traumbild sie liebt. In der zeittypischen Gestaltung des Stoffs durch den Librettisten Jaroslav Kvapil verbinden sich...

Goldenes Handwerk

Alles fiel bei diesem Debüt im Sommer 1972 zusammen. Erstmals stand Bernd Weikl auf der Bayreuther Bühne, als Wolfram, in einer Partie also, die maßgefertigt war für seinen lyrisch sozialisierten Bariton. Und dies auch noch in Götz Friedrichs umkämpfter Deutung von Wagners «Tannhäuser», die den Grünen Hügel endgültig in die Regie-Gegenwart katapultierte. Wir wissen...