Makellos
So etwas gibt es. Alle machen alles irgendwie richtig, und trotzdem fehlt am Ende etwas. Im Falle der neuen Oper des französischen Komponisten und Organisten Thierry Escaich ist das so. Escaich brachte 2013 seinen Erstling «Claude» (auf ein Libretto des ehemaligen französischen Justizministers Robert Badinter) in Lyon heraus – eine musikalisch wie szenisch messerscharf gebaute Geschichte um Gewalt, Homosexualität und die Todesstrafe. Das Stück funktionierte so gut, dass der damalige Intendant Serge Dorny ein weiteres Werk bei Escaich in Auftrag gab.
Dabei brachte er erneut einen zeitgenössischen Komponisten mit einem in Sachen Opernlibretti eher unerfahrenen Dichter zusammen – Atiq Rahimi. Richard Brunel, Dornys Nachfolger, hat es nun gleich selbst inszeniert und dies durchaus mit Fortune.
«Shirine» handelt von jener gleichnamigen persischen Prinzessin, die der Dichter Nizami um 1200 in eine (bis heute weit über die arabische Welt hinaus einschlägig bekannte) Märchenfabel packte. Goncourt-Preisträger Rahimi hat daraus für Lyon ein fein poetisches Libretto gebastelt. Shirine (fabelhaft liebesschmollend und sehnsuchtslyrisch: Jeanne Gérard) wird von einer ganzen Reihe Männer ...
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Opernwelt 7 2022
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Jörn Florian Fuchs
Der Teufel kommt von links, durch eine hässliche weiße Theatertür. Nennt sich «The Red One», und das nicht ganz ohne Grund. Hose, Hemd, Haare, alles rot. Knallrot, um präzise zu sein. Nur der Bart ist echt an dem Schauspieler Odin Lund Biron. Der Rest – Show. Kein Wunder, dass diese Mischung, sagen wir, aus Mephisto, Eulenspiegel und John Savage (der den Hippie...
Einst war einmal im grünen Wald der Max,
Der wollte frei’n des Erbförsters Agathen.
Doch länger schon, ihr könnt‘ es sicher raten,
Gab’s selten Fleisch daheim, und wenn: vom Dachs.
Ein Jägerchor macht «Trallala» und rotzt
Den Becher voll mit Bier und Speisebreien.
Da hilft beim Weber Carl nur weiter Schreien,
Auf dass man dann halt weiter säuft – und kotzt.
Der...
Fast einhundert Jahre alt ist Zofia Posmysz inzwischen, die 1942 nach Auschwitz, später ins KZ Ravensbrück verschleppt wurde. Anneliese Franz, eine ihrer Wärterinnen, starb dagegen bereits 1956, noch bevor ihr der Prozess gemacht werden konnte. Posmysz konnte das nicht wissen, als sie ihre Erlebnisse 1962 in einer Erzählung verarbeitete. Und doch gehört es zu den...
