Schwarz und Weiß

Heidelberg: Verdi: Otello

Opernwelt - Logo

Auf einen Sturm und peitschendes Wasser wartet man vergeblich. Der neue «Otello» in Heidelberg, die erste Arbeit des Regisseurs Alexander Fahima an einem größeren Stadttheater, ist das Gegenteil einer realistischen Lesart: abstrakt und stilisiert bis in die Kostüme. Bühnenbildner Bart Wigger hat eine schwarz geteerte Mauer aus Holz errichtet. Anklänge an die Seefahrt sind also da, mehr noch ist diese Mauer aber Abbild von Otellos bedrängter, dunkler Seele. Bis zur Decke reicht sie, der Platz, der davor zum Agieren bleibt, ist schmal.

Immer wieder öffnen sich große und kleine Fenster, in denen wichtige Szenen spielen. Sie erlauben Einblick in die Psyche der getriebenen Hauptfigur und wirken, als sei das Geschehen durch ihr Bewusstsein reflektiert. Der scharfe Schwarz-Weiß-Kontrast der Kostüme (Reinhard von der Thannen) suggeriert, dass es in dieser Welt keine Zwischentöne gibt, nur die Gesellschaft der Venezianer auf der einen Seite und das Fremde, verkörpert durch den dunkelhäutigen Krieger, auf der anderen.

Dieser Otello ist ein Hüne von Mann. Gewaltig, massig, Ehrfurcht gebietend – ein Schlachtross, ein Held, ein Führer. Der Texaner Ray M. Wade, Jr. verleiht dieser Figur schon in ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2011
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Udo Badelt

Weitere Beiträge
Samt und Seide

Kultur gleicht manchmal einem Mädchen, das einen reichen Alten heiratet und heuchelt, es sei Liebe – wenn sie nämlich so tut, als gehe es ausschließlich um Höheres. Ihren wahren Charakter (den Warencharakter) zeigt sie indes, wenn ein «Event» ansteht wie jener im April in Wien mit Gaetano Donizettis «Anna Bolena» an der Staatsoper, der ersten Aufführung des Werks...

Wir sind Gefangene

Immo Karaman hatte in der letzten Spielzeit mit Brittens «Peter Grimes» sein Regiedebüt an der Düsseldorfer Rheinoper gegeben (siehe OW 11/2009). Jetzt setzte er sich dort mit Brittens aufwändigster Oper, dem 1951 uraufgeführten «Billy Budd», auseinander. Wie schon bei «Peter Grimes» verweigert Karaman jede vordergründige Aktualisierung, gar plakative Bebilderung...

Melancholischer Abgesang

Anfang Dezember hat Donald Runnicles an der Deutschen Oper, deren glücklosem Orchester er als GMD wieder Halt und Ausstrahlung verschaffen soll, Berlioz’ monumentale «Trojaner» dirigiert. Was damals aus dem Graben drang, erinnerte eher an Wagners Mischklang als an die Kontrastwirkungen, die seinem französischen Zeitgenossen vorschwebten. Runnicles schien...