Das Wasser war gar zu tief
Am 8. Juli 1947 notiert Thomas Mann in seinem Tagebuch, er habe ein «Neues, langes Schreiben von Furtwängler» erhalten und kommentiert lapidar: «töricht». Der Schriftsteller reagiert mit Schweigen.
Worum geht es? Im Mai 1947 kehrt Wilhelm Furtwängler nach seiner Entnazifizierung ans Pult der Berliner Philharmoniker zurück. Gleichzeitig befindet sich Mann, aus dem amerikanischen Exil kommend, auf seiner ersten Europareise. Er bleibt bis August in der Schweiz, wo er unter anderem die Fahnen des «Doktor Faustus» korrigiert.
Mann weiß von Furtwänglers Berliner Comeback und davon, dass der Dirigent sich im Anschluss ganze 15 Minuten vom Publikum hat feiern lassen – eine Beifallsbekundung, die Mann übel aufstößt. Daraus macht er keinen Hehl, als ihn der Dirigent erstmals per Brief kontaktiert. Er, Furtwängler, würde «es begrüßen, wenn sich einmal die Gelegenheit böte, mit Ihnen über deutsche Fragen sprechen zu können, wobei mein eigener nun erledigter Fall die geringste Rolle spielen würde.»
Mann antwortet in einem bislang nicht publizierten Brief vom 1. Juli 1947 schroff, er halte es «für unschicklich», auf diesen Brief gar nicht zu reagieren. Doch ein «Austausch» hätte «wirklich wenig ...
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Opernwelt Juli 2014
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 34
von Christoph Vratz
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Möglicherweise sei unsere Welt die Hölle eines anderen Planeten, lesen wir in altertümlicher Schreibmaschinenschrift auf dem Vorhang, bevor dieser hochfliegt und ein dumpfes Brummen wie Kopfschmerz durch das Braunschweiger Staatstheater zieht. Roland Schwab inszeniert die deutsche Erstaufführung von Vivaldis «Farnace» – uraufgeführt 1727 in Venedig und bis 1738...
Blutrünstig ist sie, diese Familiengeschichte. Getränkt von Unausweichlichkeit, gelenkt von blindem Schicksal. Die Rede ist von «Thebans», einem Auftragswerk der English National Opera in Kooperation mit dem Theater Bonn. Der Londoner Komponist Julian Anderson und sein Librettist Frank McGuiness haben Sophokles’ drei Theben-Tragödien «König Ödipus», «Antigone» und...
