Schmerzenskind
Dieser Märzabend des Jahres 1864 stand wahrlich unter keinem günstigen Stern: Die Uraufführung von Charles Gounods Oper «Mireille» im Pariser Théâtre-Lyrique fiel durch. Angekreidet wurde dem Komponisten und seinem Textdichter Michel Carré insbesondere, dass das (auf Frédéric Mistrals provenzalisches Poem «Mirèio» zurückgehende) Sujet fürchterlich abgeschmackt sei; es zeige die Sphäre allzu «gewöhnlicher» Leute. Damit aber nicht genug der Einwände: Einige Passagen der Partitur trugen Gounod den Vorwurf des Wagnerisme ein.
Die Produktion des Opéra-Théâtre de Metz widerlegt solche Vorurteile rundheraus, zugleich ist sie gelungenes Plädoyer für ein viel zu selten gespieltes Werk, in dem sich provenzalische Folklore, das große Sentiment der Opéra comique und wohldosierte, durchschlagskräftige Dramatik glückhaft verbinden. Erneut beweist sich Gounod als genuiner Melodiker, dessen Erfindungen nur selten ins Banale abgleiten.
Dem regieführenden Intendanten Paul-Émile Fourny liegt sehr viel daran, die Titelfigur, Tochter eines reichen Gutspächters, als eine selbstbestimmte, sich ihrer Gefühle in hohem Maß bewusste Frau zu profilieren. Zu Beginn geschieht das eher spielerisch, wenn ...
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Opernwelt 8 2022
Rubrik: Panorama, Seite 54
von Michael Kaminski
Frau Wilson, zu Jahresbeginn wurden Sie in Stuttgart für die Titelrolle von Vivaldis «Juditha triumphans» gefeiert. Die Produktion konnte erst nach mehreren Anläufen und monatelanger Pause herausgebracht werden. Wie motiviert man sich nach so langer Zeit für die Premiere?
Ich fand es anfangs schwierig, sich wieder zu motivieren. Ich sagte mir zwar: Okay, wir haben...
Nichts Neues im Süden Englands? Von wegen! Das Garsington Opera Festival wartete in diesem Jahr mit einigen Novitäten auf. Bislang hatte es dort lediglich späte Opern von Händel und Vivaldi gegeben; nun blickte man ein Jahrhundert weiter zurück und präsentierte Anfang Juni Claudio Monteverdis favola in musica «Orfeo» von 1607. Dabei profitierten die Festivalmacher...
Herr Goebbels, wie geht es Ihnen bei der Begegnung mit der eigenen Stimme?
Bei all den Stimmen, mit denen ich arbeite, habe ich meine Stimme nie eingesetzt.
Und wenn Sie sie zufällig in Radiointerviews hören?
Ist sie mir fremd. Sie bleibt mir fremd. Wir wissen, warum das so ist, weil die Resonanz des eigenen Körpers fehlt und so weiter.
Stimmen aber faszinieren...
