«Die Dinge finden mich»
Herr Goebbels, wie geht es Ihnen bei der Begegnung mit der eigenen Stimme?
Bei all den Stimmen, mit denen ich arbeite, habe ich meine Stimme nie eingesetzt.
Und wenn Sie sie zufällig in Radiointerviews hören?
Ist sie mir fremd. Sie bleibt mir fremd. Wir wissen, warum das so ist, weil die Resonanz des eigenen Körpers fehlt und so weiter.
Stimmen aber faszinieren Sie. Sie verwenden sie als Originaltöne, als Samples, als Archiv-Fundstücke …
Das reduziert sich aber nicht auf die menschlichen Stimmen.
Ich habe auch viel mit Stimmen von Maschinen und Tieren gearbeitet, überhaupt mit Geräuschen der Dinge. In meinem Stück «Berlin Q-damm 12.4.81» spielt zum Beispiel das Zerspringen der Glasscheiben eine große Rolle. Mein Defizit besteht ja darin, dass ich bei jedem Geräusch immer auch die Tonhöhen mithöre – dadurch habe ich ein sehr ästhetisierendes Verhältnis zu Geräuschen. Und mich interessieren nur solche menschlichen Stimmen, bei denen etwas Zusätzliches mitschwingt. Es geht mir nie nur um Mitteilung, sondern darum, dass man durch die Stimme etwas von der Person ahnt oder versteht, die mit der Stimme vielleicht etwas anderes zum Ausdruck bringt als das, was sie sagt. Mich ...
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Opernwelt 8 2022
Rubrik: Interview, Seite 59
von Stefan Fricke
Jossi Wieler lächelte, milde, fast so, als habe er sogar ein wenig Verständnis für diese Wutbürger vorwiegend in den oberen Rängen, die sich bei der Applausordnung nach der Premiere ereiferten, um ihr geharnischtes Unverständnis über das gerade Gesehene herauszubrüllen. Grund genug für diese clemenza hatte Wieler jedenfalls, in dessen Regieboot diesmal neben seinem...
Ein Bild, zu schön, um wahr zu sein: Auf einer Schaukel schwebt Rusalka übers Wasser. Die Schuppen ihres Nixenkleides funkeln von türkis bis smaragdfarben in allen Grüntönen, die lange Schärpe fließt glitzernd an ihrem Körper herab. Doch das Idyll hat einen Riss: Rusalka will heraus aus ihrer Nixenhaut, ihr nasskaltes Ich abstreifen und menschliche Gestalt...
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