«Die Dinge finden mich»

Mit seinen Arbeiten hat er den Grenzbereich zwischen Sprache und Gesang extrem bereichert. Nun feiert Heiner Goebbels seinen 70. Geburtstag. Ein Gespräch über Stimmenpolyphonie, Bedeutungsräume, einen erweiterten Kompositionsbegriff und den Unterschied zwischen Musiktheater und Oper

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Herr Goebbels, wie geht es Ihnen bei der Begegnung mit der eigenen Stimme?
Bei all den Stimmen, mit denen ich arbeite, habe ich meine Stimme nie eingesetzt. 

Und wenn Sie sie zufällig in Radiointerviews hören?
Ist sie mir fremd. Sie bleibt mir fremd. Wir wissen, warum das so ist, weil die Resonanz des eigenen Körpers fehlt und so weiter. 

Stimmen aber faszinieren Sie. Sie verwenden sie als Originaltöne, als Samples, als Archiv-Fundstücke …
Das reduziert sich aber nicht auf die menschlichen Stimmen.

Ich habe auch viel mit Stimmen von Maschinen und Tieren gearbeitet, überhaupt mit Geräuschen der Dinge. In meinem Stück «Berlin Q-damm 12.4.81» spielt zum Beispiel das Zerspringen der Glasscheiben eine große Rolle. Mein Defizit besteht ja darin, dass ich bei jedem Geräusch immer auch die Tonhöhen mithöre – dadurch habe ich ein sehr ästhetisierendes Verhältnis zu Geräuschen. Und mich interessieren nur solche menschlichen Stimmen, bei denen etwas Zusätzliches mitschwingt. Es geht mir nie nur um Mitteilung, sondern darum, dass man durch die Stimme etwas von der Person ahnt oder versteht, die mit der Stimme vielleicht etwas anderes zum Ausdruck bringt als das, was sie sagt. Mich ...

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Opernwelt 8 2022
Rubrik: Interview, Seite 59
von Stefan Fricke

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