Schlüsselerlebnis
Für eine gute «Salome»-Aufführung ist man immer dankbar. Die Dauer von nicht einmal zwei Stunden, das gesamte Richard-Strauss-Instrumentations- und Pathos-Paket (samt sarkastischer Fagott-Soli), die klare Geschichte. Sicher, keine Hoffnung, nirgends. Dafür Dekadenz, Fieslinge, ein Proto-Jesus, eine junge Frau am Rande des Nervenzusammenbruchs. Am Pfalztheater Kaiserslautern setzt Regisseur Urs Häberli die gesamte Personage in eine Art Riesenschüssel; ein Trichter, auf halber Höhe bespielt, vielleicht so etwas wie ein ausgedienter Atombunker.
Schon dieses Bühnenbild (Thomas Dörfler) macht großen Spaß. Denn in der Mitte sehen wir eine Art umgedrehten Riesenkrug, dessen Hals sich in der Mitte öffnet und den Jochanaan-Kerker zeigt, in den man tatsächlich hineingehen kann. Zwei Brücken führen zu jeweils einer Tür rechts und links dieses abgewrackten Herodes-Palastes. Salome jedoch kauert zu Beginn noch oben rechts, auf dem symbolisch ausgefransten Rand, und betrachtet den (semantisch vieldeutigen) Mond. Schade nur, dass dieser sich nicht sukzessive im Rahmen der Aufführung bewegt; es würde die Real-Zeit-Horizontale der Oper noch fataler bebildern. Erst am Ende wandert das Gestirn ganz ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt 8 2022
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Arno Lücker
Hochzeitsglocken in der Wiener Staatsoper! Das heißt, genau genommen ist weniger Geläut zu vernehmen als vielmehr die Mutter aller Ouvertüren – diese allerdings schon beim Eintreffen des Publikums und aus diversen Richtungen. Blech und Trommeln schmettern und knattern die «Toccata» von der Hauptstiege herab: jene Gonzaga-Fanfare, geschaffen für den Herzog von...
Herr Goebbels, wie geht es Ihnen bei der Begegnung mit der eigenen Stimme?
Bei all den Stimmen, mit denen ich arbeite, habe ich meine Stimme nie eingesetzt.
Und wenn Sie sie zufällig in Radiointerviews hören?
Ist sie mir fremd. Sie bleibt mir fremd. Wir wissen, warum das so ist, weil die Resonanz des eigenen Körpers fehlt und so weiter.
Stimmen aber faszinieren...
Festspielsommer
Die Erleichterung ist spürbar. Und auch hörbar. In Bayreuth wie in Salzburg, in Erl wie in Bregenz, Wildbad und Schwetzingen. Die Sommerfestivals laden vollumfänglich zum Genuss ein. Wie groß er wird, entscheidet sich vor Ort. Wir sind dabei
Koloratursopran
Im Alter von acht Jahren stand sie erstmals auf einer Bühne, bereits mit 16 debütierte Irene...
