Schlagzeuggewitter
Iannis Xenakis muss gespürt haben, dass seine «Oresteia» mehr geworden war als eine bloße Schauspielmusik: Als er seine zwanzig Jahre zuvor für Chor und perkussiv dominiertes Instrumentalensemble entstandene Komposition 1987 für die erste szenische Aufführung überarbeitete (und ziemlich drastisch einkürzte), schob er das Werk durch eine groß angelegte Soloszene zugleich von der Theater- in Richtung Opernbühne. Fünf Jahre später komplettierte er eine weitere, ebenfalls für falsettierenden Bariton geschriebene Einlage dieser Transformation.
In ihrer endgültigen Fassung ist Xenakis’ Aischylos-Adaption ein packendes Stück Musiktheater und musikalisch ein faszinierender Balanceakt zwischen archaischer Strenge und entfesselter Ekstase.
Umso erstaunlicher, dass «Oresteia» nur selten gespielt wird – auch an Warschaus Teatr Wielki springen unter der zielgerichteten Leitung von Franck Ollu die rhythmischen Funken der virtuosen Schlagzeugpassagen, die herbe Direktheit des dissonanten Bläsersatzes und die Wucht der vom Chor unisono skandierten griechischen Verse ganz unmittelbar aufs Publikum über. Im kleinen, nur knapp 200 Zuschauer fassenden Saal entwickelt Xenakis’ Musik so eine physische ...
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