Orchestertransparenz
Walter Scotts «Ivanhoe»-Roman führt zurück ins mittelalterliche England. Während der Abwesenheit von König Richard Löwenherz ist das Land gespalten: Den eisernen Normannen stehen die freiheitsstolzen Angelsachsen gegenüber. Hinzu kommt ein intrigierender Bruder des Königs, der selbst die Krone erlangen möchte. Scott, der mit diesem Werk einen neuen Typus des historischen Romans begründete, liefert eine pralle Stofffülle mit einer schwer zu überblickenden Zahl an Figuren.
Das Modell ist zeitlos: Der Konflikt feindlicher Mächte löst sich in einer Synthese, die Geschichte als Prozess des Fortschritts ausweist.
Wenige Jahre nach der Erstveröffentlichung 1819 (die auf 1820 datiert war) folgte mit Rossinis «Ivanhoé» die erste Opernadaption des Stoffes, gefolgt 1829 von Marschners «Die Templer und die Jüdin» sowie weiteren Werken von Giovanni Pacini und Otto Nicolai, bevor schließlich Arthur Sullivan den Versuch unternahm, mit seinem «Ivanhoe» die erste englische Nationaloper zu schreiben. 1891 fand die Uraufführung im riesigen Royal English House unter großem Jubel statt. 153-mal wurde das Werk gespielt. George Bernard Shaw äußerte sich in seiner Eigenschaft als Musikkritiker skeptisch, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Wie kann man den Venusberg heute noch auf die Bühne bringen? Ein Aufführungs-
vergleich von Wagners «Tannhäuser» in Mailand und Oslo eröffnet unseren Focus-Teil. Wagner auch an Stuttgarts Staatsoper, wo Calixto Bieito und Manfred Honeck sich mit «Parsifal» auseinandersetzen. Zeitgleich setzte Frankfurt auf «Daphne»: Die selten gespielte späte Oper von Richard...
Iannis Xenakis muss gespürt haben, dass seine «Oresteia» mehr geworden war als eine bloße Schauspielmusik: Als er seine zwanzig Jahre zuvor für Chor und perkussiv dominiertes Instrumentalensemble entstandene Komposition 1987 für die erste szenische Aufführung überarbeitete (und ziemlich drastisch einkürzte), schob er das Werk durch eine groß angelegte Soloszene...
Darauf muss man erst mal kommen. Juno, die große Abwesende, die Unsichtbare, mischt von Anfang an mit. Normalerweise regt sich die hohe Dame erst im letzten Aufzug coram publico über die erotischen Eskapaden ihres Göttergatten Jupiter auf. Bis dahin schmollt sie stumm im Off – so steht’s im «Platée»-Textbuch von Adrien-Joseph Le Valois d’Orville und in den Noten...
