Schicksalsschläge einer Königin
Unter den Bühnenwerken von Gaetano Donizetti findet sich kein einziges mit dem Namen «Bastarda». Was jetzt am Théâtre La Monnaie an zwei Abenden zu sehen war, trug gleichwohl diesen Titel und den Namen des Komponisten. Der zureichende Grund: In vier Opern Donizettis spielt Elisabeth Tudor, die Tochter Heinrichs VIII., eine zentrale Rolle.
Olivier Fredj nahm dies zum Anlass, «Elisabetta al castello di Kenilworth» mit der Tudor-Trilogie («Anna Bolena», «Maria Stuarda», «Roberto Devereux») in einer Art historischem Ready-made zu verknüpfen, das den Aufstieg und Fall von Elisabeth I. ins Visier nimmt. Für die musikalischen Verbindungen und Arrangements zeichnete Dirigent Francesco Lanzillotta verantwortlich. Das wenig schmeichelhafte Wörtchen «Bastarda» entlieh man der Historie: Elisabeths Gegenspielerin Maria Stuart hatte es ihr beim legendären persönlichen Zusammentreffen ins Gesicht geschleudert – und sich damit im wahrsten Wortsinn um ihren katholischen Kopf gewütet.
Die Theaterform, in der Regisseur Fredj Gesang, Tanz und Kostümpracht mit Elementen aus dem Schauspiel kombiniert, umweht ein Hauch von präsentierendem Shakespeare-Theater und Brecht’scher Verfremdung; sie stellt ...
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Opernwelt Mai 2023
Rubrik: Panorama, Seite 49
von Joachim Lange
Müsste man eine irgendwie adäquate Übersetzung für den Titel des Albums «Lumières Ottomanes» der libanesischen Sängerin Lamia Yared und des Ensemble Oraciones finden, so wäre wohl «Vielfalt des Osmanischen Reichs» am ehesten angemessen. Denn was die Sängerin und ihr Ensemble hier versammeln, lässt sich weder auf einen ästhetischen noch auf einen epochenmäßigen...
Herr Dusapin, von Nikolai Rimski-Korsakow ist die schöne Sentenz überliefert, Kunst sei «im Grunde die bezauberndste und hinreißendste Lüge». D’accord?
Die Kunst eine Lüge? Eine interessante Ansicht. Für mich ist Kunst, insbesondere Musik, die überwiegende Zeit dazu da, etwas zu verbergen.
Aber was?
Sich selbst, in meinem Fall also den Komponisten. Wobei es für...
alpha
07.05. – 21.50 Uhr
Die Seele der Geige Die Liebe seines Lebens ist aus Holz – und über 300 Jahre alt: Die Stradivari «Lady Inchiquin» ist die Stimme des Geigers Frank Peter Zimmermann. Doch wegen der Insolvenz der Eigentümerin (der WestLB) musste er auf das Sechs-Millionen-Instrument verzichten. Der Dokumentarfilm begleitet den Geiger bei der Wiederannäherung...
