Murx den Nazi! Murx ihn! Murx ihn! Murx ihn! Murx ihn ab!

Christoph Marthaler kehrt mit dem Stück «Wachs oder Wirklichkeit» an die Volksbühne Berlin zurück und fordert uns sehr subtil zum Nachdenken auf

Opernwelt - Logo

Das ganze Leben in nur 90 Minuten? Für Jürg Laederach, den ingeniös-versponnenen Schweizer Schriftsteller, war dies kein Problem. Man musste nur die Zeit richtig einteilen und Worte finden, mit denen sich die Existenz (und deren Brüchigkeit) auch in gedankenscharfen Miniaturen beschreiben ließe. Nachgerade in Vollendung gelang dies dem 2018 verstorbenen Sprachvirtuosen in seinem Roman «Das ganze Leben». Wobei auch das schon wieder eine heillose Übertreibung ist.

Es ging, wie in seinen anderen Prosa-Dichtungen, lediglich um einen winzigen Ausschnitt daraus, aber in diesem winzigen Ausschnitt lag eben auch schon wieder das, was Hegel einst als das Ganze beschrieben hatte – das Wahre.

Was aber genau dies Wahre sei, wusste Laederach nicht, so wie er ja auch in seinem orchestrierten Schreiben stets eher nach dem Klang der Worte, nach ihrem Verblassen forschte als nach deren (vorgeblich) allgemeiner Sinnhaftigkeit. Wenig Wunder, dass die seit Jahrzehnten verschweißte Künstlerinnen- und Künstlergemeinschaft rund um Christoph Marthaler, Anna Viebrock, Malte Ubenauf und ihr Ensemble für die Uraufführung an der Volksbühne Berlin mit dem wunderschönen Titel «Wachs oder Wirklichkeit» in ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2025
Rubrik: Magazin, Seite 82
von Jürgen Otten

Weitere Beiträge
Wüstenritt

In der Wüste verstummt die Zivilisation. Nirgendwo ist man so gottverlassen – und Gott zugleich so nah. Eine mystische, todbringende Weite, die jene anzieht, die in der Enge der Welt keinen Platz finden. Für ihre Kammeroper «Song from the Uproar» ließ sich die US-amerikanische Komponistin Missy Mazzoli von der Lebensgeschichte der Wüstenreisenden Isabelle Eberhardt...

Rasant

Wer schön sein will, sagt der Volksmund, muss leiden. Und wer wüsste das besser als Clorinda und Tisbe, die beiden «rechtmäßigen» Töchter Don Magnificos. Die Ouvertüre zu Rossinis Dramma giocoso zeigt sie bei morgendlichen Gymnastik-Übungen; angeleitet werden die beiden schläfrigen Damen von einem Tanzquartett, das in knappen weißen Trikots überaus gelenkig und mit...

Vorschau und Impressum Opernwelt 5/25

Ausnahmetalent
Die Poesie ist schon ihrem Vornamen eingeschrieben: Mondblume. Und als solche blüht Aigul Akhmetshina nun schon seit einigen Jahren mächtig auf. Ihre Elisabetta in Donizettis «Maria Stuarda» war eine Sensation, ebenso ihre Carmen. Und auch in der Partie der Adalgisa zeigt die Mezzosopranistin, wieviel Potenzial in ihrer warmen Stimme steckt. Ein...