Überwältigende Vielfalt
Darüber, was Musik sein könnte, gingen die Meinungen schon immer auseinander. Mag sie ihrem Ursprung nach, als «mousiké», Musenkunst gewesen sein, differieren die Definitionen je nach Zeit, Perspektive und Autor. Für Schönberg bedeutete Musik eine Form mystischer Konsonanz mit dem Weltall, für den Experimentalpsychologen Steven Pinker ist sie kaum mehr als «akustischer Käsekuchen» – zwar ein hochrangiges Genussobjekt, aber «nicht auf das Erreichen eines Ziels ausgerichtet».
Helmut Lachenmann sieht Musik als zunehmend «meteorologisches Phänomen», dies im Gegensatz zum romantisch-revolutionären Mystiker Richard Wagner, der in ihr die «höchste, erlösendste Kunst» entdecken wollte, damit nicht so weit entfernt von der Definition des Platonikers Boethius: Musik, so dekretierte dieser, sei ein kosmisches Emanationsgeschehen, das von der musica mundana über die musica humana zur musica instrumentalis hinabfließe. Wehe dem, der das bezweifelt!
Christoph Türcke hält sich bedeckter: Authentische Musik, schreibt er in bester aristotelischer Manier, sei «Erschütterungskultur, die bis ins Subakustische hinabreicht. Wo sie wirklich rührt, rührt sie auch an den Gleichgewichtssinn, der große ...
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Opernwelt Mai 2025
Rubrik: Medien, Seite 41
von Jürgen Otten
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Im Wort «Schuldigkeit» schwingt Verpflichtung mit, und auch ein «Wehe!»: Im Fall der Nichtbefolgung des ersten Gebots, der für die Menschheit obligaten Gottesliebe, droht ewige Verdammnis. Die dafür benützten Bilder scheinen kulturhistorisch noch aus jenen Zeiten zu stammen, da die Erde als Scheibe galt. In ihnen wurde die Frohbotschaft der Evangelien oft zur...
Der Teufel mag es ungebärdig und ein wenig billig. Das ist seine Welt, da kennt er sich aus. Er mag den Zinnober, zündet Flämmchen an und hetzt die Masse auf, in der Hölle nur noch das Wort «Hass» zu skandieren. Ein schlimmes Wort, das hier noch gefährlicher zischt als sonst schon. Ein Tierlaut – sieht man davon ab, dass Tiere nicht hassen. In einer der schönsten...
