Die kahle Königin
Zwei Königinnen. Durch beider Adern fließt, wiewohl in unterschiedlicher Konsistenz, kobaltblaues Tudor-Blut, mithin der uneingeschränkte Wille zur Macht. Viel mehr als diese Neigung aber verbindet die Frauen nicht. Weder der Glaube (sei es der an Gott, den Allmächtigen, ans Leben selbst oder an die Liebe) noch die Weltanschauung. Maria Stuart, Schottlands katholische Throninha -berin, und Elisabeth I., Englands protestantische Herrscherin (der jedoch, als Tochter Heinrich VIII.
und Anne Boleyns, der Makel anhaftet, ein «Bastard» zu sein), haben nur eine einzige Gemeinsamkeit: abgrundtiefe Verachtung füreinander. Da ist nur ein wesentlicher Punkt, der ihre Beziehung ins Ungleichgewicht bringt: Die eine ist die Gefangene der anderen. Seit 18 Jahren vegetiert Maria Stuart auf Schloss Fotheringhay in einem schäbig-dunklen Kerker, während ihre Kontrahentin im fernen Westminster Palace mit eiserneisiger Hand regiert. Glücklich ist darüber allerdings keine von ihnen. Maria Stuart, die Wild-Widerspenstige, dreimal Verwitwete, weil sie nichts mehr liebt als die Freiheit; Elisabeth I., die Kühl-Distanzierte, lebenslang Unvermählte, weil sie Angst vor der anderen hat, und weil sie nicht ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Mai 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 32
von Jürgen Otten
Herr Tetelman, viele Menschen denken derzeit an Puccini, wenn sie Ihren Namen hören. PR, CD und entsprechende Auftritte tragen da ebenfalls ihre Früchte. Was ist eigentlich eine Puccini-Stimme?
Ganz prinzipiell: Ich glaube, dass es Puccini-Stimmen gibt. Die Historie hat doch gezeigt, dass es spezielle Stimmen für Puccini, andere etwa für Verdi gibt. Nur ein paar...
Man könnte denken, Johann Friedrich Agricola habe mit seinem Geburtsort geographische Gerechtigkeit walten lassen. Bald auf den Meter genau in der Mitte zwischen den Städten Altenburg und Gera liegt das Dorf Dobitschen, wo Agricola 1720 als Sohn eines «Fürstlich Altenburgischen und Freiherrlich Bachofenischen Kammeragenten und Gerichtsdirektors» zur Welt kam....
Streiter für Tugend, heil’ge Kraft, himmlische Taube, der Vater einst reiner Tor, dann Gralsretter – wer’s glaubt. So edel all dies von Klaus Florian Vogt wieder vorgetragen ist, mit seit einiger Zeit erstaunlich stabilen dramatischen Werten, es bleibt doch eine Lüge, zumindest ein (Sich-)Zurechtbiegen der Wirklichkeit. Darüber kann auch Lohengrins Gesang nicht...
