Schein und Sein
Anno 1728, auf der einsamen Höhe seiner auf das Wesentliche fokussierten Kunst des Komponierens, lässt Händel die Tropfen des bitteren Kelches gleichsam in die Venen des Helden Tolomeo einsickern. Der wähnt sich dem selbst gewählten Gifttode ganz nah, als er in seiner Arie «Stille amare, già vi sento» fragt: «Wo bin ich, lebe ich noch?» Der einstige König von Ägypten ist nach Zypern geflohen, watet auf der einsamen Insel durchs Wasser. Es gibt kein Entrinnen.
Fünf Gestrandete hat es auf das unwirtliche Eiland geworfen, die hochgradig Vereinzelten kommen aus ganz anderen Welten, sind nun zu einer Schicksalsgemeinschaft zusammengeschweißt.
Weder männliche Großartigkeit noch weibliche Exaltiertheit zählen noch – es fehlt das Publikum der Bewunderer. Doch ihre alten Attribute schleppen sie weiter mit sich herum. Auf fünf Tischen – Inselchen des Individuellen innerhalb des gottverlassenen Gebiets – packen sie ihre Habseligkeiten aus, setzen sich noch einmal in Szene und werden doch schmerzlich auf sich selbst zurückgeworfen. Geschlechtsspezifisch heroisch und standesgemäß trägt Araspe, der baritonpolternde König von Zypern (Johan Hyunbong Choi), seine Krone, Säbel und Peitsche. ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Dezember 2020
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Peter Krause
Eine schwierige Angelegenheit ist sie, die Liebe in den Zeiten von Corona. Hinter der Bühne, auf der Bühne, ach, überall, immerzu. Und dann dieses Stück, das durchtränkt ist vom Begehren, von der alles überwindenden Kraft der Zuneigung zweier junger Menschen, die ihr Herz gleich bei der ersten Begegnung an ihr Gegenüber verlieren und einander am liebsten auf der...
In Wien gibt es eine Wels-Gasse, benannt ist sie nach Franz Wels, einem Pionier des Flugzeugbaus. Aber auch im Zusammenhang mit dem nämlichen Fisch ist sie an der Donau nicht ganz unbekannt, allerdings unter ihrem amerikanischen Namen Catfish Row, dem Schauplatz von George Gershwins «Porgy and Bess». Bereits im Jahr 1952 hatte, von Marcel Prawy arrangiert, ein...
alpha
25./26.12. – 11.00 Uhr
Bach: Weihnachtsoartorium
Herkulessaal der Münchner Residenz, 2010
Konzert mit dem Chor des Bayerischen Rundfunks und der Akademie für Alte Musik Berlin unter der Leitung von Peter Dijkstra.
S: Harnisch, Vondung, Schmitt, Immler
arte
04.12. – 05.00 Uhr
Jacques Offenbach in Köln
Philharmonie Köln, 2012
Konzert mit Auszügen aus...
