Scheidung in hohen Tönen
In der Regel singt der Mensch, um einen außerordentlichen Gefühlszustand auszudrücken – ein Umstand, den sich der Kunstgesang zunutze macht, speziell in der Oper. Wenn einer nun «Bitte ein großes Bier» schmettert, so handelt es sich entweder um einen säumigen Vokalisten, der die Bestellung in der Kantine dazu benutzt, um sich für die Probe einzusingen. Oder aber um jemanden, der dadurch, dass er eine simple Alltagshandlung vermittels Gesang überhöht, sich über etwas mokieren will. Letzteres beabsichtigte die «Zeitoper», die in den 1920er Jahren ihre Blüte erlebte.
Man wollte das Opernpathos Wagner’scher Provenienz ironisieren und das kunstreligiös infizierte Publikum provozieren.
Freilich kommt selbst «Neues vom Tage», Paul Hindemiths in diesem Geiste geschaffene Antioper, ohne große Gefühle nicht aus; auch hier geht’s um Liebe und ihr Gegenteil, wobei Letzteres nicht im Mord endet, sondern vor den Scheidungsrichter führt. Auf Nicola Reicherts rotierender, an einen Vergnügungsdampfer (Traumschiff?) erinnernder Bühne hat Gabriele Rech in Linz die Geschichte um ein streitbares Ehepaar, dessen Story von den Zeitungen vereinnahmt wird, mit Geschmack und Witz inszeniert. Wobei aus ...
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