Scheidung in hohen Tönen
In der Regel singt der Mensch, um einen außerordentlichen Gefühlszustand auszudrücken – ein Umstand, den sich der Kunstgesang zunutze macht, speziell in der Oper. Wenn einer nun «Bitte ein großes Bier» schmettert, so handelt es sich entweder um einen säumigen Vokalisten, der die Bestellung in der Kantine dazu benutzt, um sich für die Probe einzusingen. Oder aber um jemanden, der dadurch, dass er eine simple Alltagshandlung vermittels Gesang überhöht, sich über etwas mokieren will. Letzteres beabsichtigte die «Zeitoper», die in den 1920er Jahren ihre Blüte erlebte.
Man wollte das Opernpathos Wagner’scher Provenienz ironisieren und das kunstreligiös infizierte Publikum provozieren.
Freilich kommt selbst «Neues vom Tage», Paul Hindemiths in diesem Geiste geschaffene Antioper, ohne große Gefühle nicht aus; auch hier geht’s um Liebe und ihr Gegenteil, wobei Letzteres nicht im Mord endet, sondern vor den Scheidungsrichter führt. Auf Nicola Reicherts rotierender, an einen Vergnügungsdampfer (Traumschiff?) erinnernder Bühne hat Gabriele Rech in Linz die Geschichte um ein streitbares Ehepaar, dessen Story von den Zeitungen vereinnahmt wird, mit Geschmack und Witz inszeniert. Wobei aus ...
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Kristina Wuss, Berghaus- und Konwitschny-Schülerin, hat Oscar Wildes einstiges Skandaldrama gegen den Strich gelesen. Sie entziffert in Strauss’ Vertonung der Begegnung der morbiden Kindfrau mit dem asketischen Propheten zu Recht eine psychologische Introspektion. Bei ihr ist Salome keine wahnsinnige Mänade, sondern ein junges Mädchen, das in einer aus den Fugen...
Ein ungleiches Paar? Nicht wenige Opernkenner durchwehte, und doch recht bang, dieser Gedanke, als Birgit Nilsson und Giuseppe di Stefano im Juni 1961 gemeinsam auf die Bühne der Wiener Staatsoper traten, um die beiden Hauptrollen in Puccinis «Turandot» zu verkörpern. Hier die an Wagner und Strauss gestählte Heroine mit ihrer schier übermächtigen Stimme als...
Der Hügel ist nicht grün, sondern aus gelbgrauen Ziegeln, gleicht von der Form her eher Pieter Brueghels Turm zu Babel und kann über einen Spiralenweg in knapp mehr als einer Minute erklommen werden. Vor allem aber steht er nicht in Bayreuth, sondern am Donau-Ufer in Budapest, vor dem «Palast der Künste». In diesem vor drei Jahren eröffneten Kulturkomplex fand...
