Scheibe, Treppe, Nichts

Ein Porträt der Bühnen- und Kostümbildnerin Katrin Lea Tag, nebst einigen Notizen zu ihren auf wundersame Weise gefüllten Räumen

Man kommt kaum umhin, bei ihren Bühnenbildern an Peter Brooks wunderbar zeitlosen Essay «Der leere Raum» zu denken, und ebenso an diese dialektische Kunst der Fülle innerhalb der Abwesenheit von Material. Katrin Lea Tags Bühnen zeichnen sich – wie ebenfalls ihre Kostüme – durch eine radikale, ins Bild übersetzte Gedankenschärfe aus. Sie verkleiden nicht(s), sondern öffnen sich und damit die Fantasie des Zuschauers. Sie arbeiten mit klaren Zeichen, bauen auf strenge Grundelemente auf.

Es sind Räume voller (widersprüchlicher) Assoziationen, mit Möglichkeiten der Deutung außerhalb der Konkretion; Räume, die nicht gleich alles definieren, sondern danach streben, dehnbare Zustände zu beschreiben, sei es Enge oder Weite, sei es die Unendlichkeit oder etwas Klaustrophobisches

Ihren letzten Bühnenraum haben (hoffentlich vorerst) nur noch wenige gesehen. Nach drei Vorstellungen der Neuinszenierung von «Salome» an der Oper Frankfurt hat Corona das Licht abgedreht. Im Nachhinein wirkt Katrin Lea Tags Bild, das sie für die gleißendste Opernpartitur von Richard Strauss gefunden hat, wie ein Menetekel: nichts als schwarz. Mit Regisseur Barrie Kosky war sie sich einig, auf jedwede Form von ...

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Opernwelt Jahrbuch 2020
Rubrik: Bühnenbild des Jahres, Seite 28
von Karl Harb

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