Schaumlos sozusagen
Nicht nur die Tonart, in der Wagners «Ring des Nibelungen» anhebt, ist numinosen, mithin göttlichen Ursprungs. Dieses «Wiegenlied der Welt», wie es ihr Schöpfer nannte, darf als einer der kühnsten Opern-Anfänge gelten, davon war auch Peter Gülke überzeugt. In seinem letzten Buch, wenige Wochen vor seinem Tod erschienen («Menschen. Zeiten. Musik»), widmete sich der Publizist und Dirigent noch einmal dem Faszinosum, das im Beginn des «Rheingolds» steckt wie der Speer in der Weltesche.
Für Gülke fiel in diesen 136 Es-Dur-Takten vieles zusammen: «die Geburt der Welt, die Geburt der Musik aus einem einzigen Ton, aus dem eine einzige Harmonie hervorgeht, die Geburt der Moderne». Fragt sich nur, wie mystisch und mythisch all das klingen muss.
Fabio Luisi entscheidet sich für die rationalistische Variante. In der Neuaufnahme des «Rings», die er gemeinsam mit dem Dallas Symphony Orchestra und einer namhaften Solistinnen- und Solistenschar realisierte und die anlässlich des 150-jährigen Jubiläums der Bayreuther Festspiele kürzlich erschienen ist, wählt Luisi einen dezidiert moderaten Ton. Kein sphärisches Raunen und Rauschen ist da zu vernehmen, sondern ein klug strukturiertes Wachstum, ...
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Opernwelt Juli 2026
Rubrik: Magazin, Seite 87
von Jürgen Otten
JUBILARE
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