Sängerin des Jahres 2024
Kunstwerke, so hat es Theodor W. Adorno im Rahmen seiner «Ästhetischen Theorie» einmal behauptet, seien «nicht von der Ästhetik als hermeneutische Objekte zu begreifen; zu begreifen wäre, auf dem gegenwärtigen Stand, ihre Unbegreiflichkeit». Damit hat der Musikphilosoph nicht nur das Enigmatisch Autonome eines jeden Kunstwerks gekennzeichnet und sich selbst, einem der fähigsten Interpreten von Kunst(werken), widersprochen, er hat in gewisser Weise auch die Rolle der Künstlerin und des Künstlers selbst prästabiliert.
Denn erst jene Akteure, die am Abend auf der Bühne stehen, befreien das Werk (so nicht eine überambitionierte Regie im Wege steht) aus seiner Unbegreiflichkeit und überführen es im besten Fall in eine Geschichte, deren mimetische Anverwandlung des Vorliegenden zu beglücken vermag. Asmik Grigorian zählt zu denjenigen, die durch ihre Art, Rollen zu verkörpern, sie sich gleichsam in den eigenen Körper zu überschreiben, das Publikum und auch die Kritik seit vielen Jahren fesseln. Die litauische Sopranistin ist die Königin der Schmerzen und der Lust, des Lebens und des Leidens, kurzum: eine Sängerdarstellerin von hohen Gnaden
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Opernwelt Jahrbuch 2024
Rubrik: Sängerin des Jahres, Seite 14
von
Dem französischen (Musik-)Philosophen, Debussy-Biographen und Autoren des vielleicht tiefsinnigsten Buches über den Tod, Vladimir Jankélévitch, verdanken wir eine fundiert-feinsinnige Skizzierung der Musik jenes Komponisten, dessen Schöpfungen, mit Ausnahme seines regelmäßig aufgeführten Requiems, noch heute nur wenigen Eingeweihten vertraut ist. «Wie einem...
Silvia Adler
DARMSTADT
Opernwelt
1. Die Oper Frankfurt
2. Catherina Forster als Walküre in Athen; Alyona Rostovskaya in Wiesbaden. Ihr lyrischer Sopran besitzt eine phänomenale Ausdruckskraft
3. Victoria Stevens rückt bei Verdis «Otello» in Mainz das Thema Femizid in den Fokus: ein starker, erschütternder Opernabend
4. Michael Nündel für seine außerordentliche...
Ach, wie wäre das schön, gäbe es diese Zeilen: «In der Oper gewesen. Geweint!» Allein, es gibt sie nicht. Das Original klingt etwas anders, es ist hinreichend zitiert. Und beschreibt eine Neigung, die Franz Kafka lange Jahre pflegte. Es war das Kino, das imstande war, ihn, und sei es nur für einige Weltsekunden, zu verzaubern. Nicht die Oper. Und nicht einmal das...
