Sängerin des Jahres 2024

Opernwelt - Logo

Kunstwerke, so hat es Theodor W. Adorno im Rahmen seiner «Ästhetischen Theorie» einmal behauptet, seien «nicht von der Ästhetik als hermeneutische Objekte zu begreifen; zu begreifen wäre, auf dem gegenwärtigen Stand, ihre Unbegreiflichkeit». Damit hat der Musikphilosoph nicht nur das Enigmatisch Autonome eines jeden Kunstwerks gekennzeichnet und sich selbst, einem der fähigsten Interpreten von Kunst(werken), widersprochen, er hat in gewisser Weise auch die Rolle der Künstlerin und des Künstlers selbst prästabiliert.

Denn erst jene Akteure, die am Abend auf der Bühne stehen, befreien das Werk (so nicht eine überambitionierte Regie im Wege steht) aus seiner Unbegreiflichkeit und überführen es im besten Fall in eine Geschichte, deren mimetische Anverwandlung des Vorliegenden zu beglücken vermag. Asmik Grigorian zählt zu denjenigen, die durch ihre Art, Rollen zu verkörpern, sie sich gleichsam in den eigenen Körper zu überschreiben, das Publikum und auch die Kritik seit vielen Jahren fesseln. Die litauische Sopranistin ist die Königin der Schmerzen und der Lust, des Lebens und des Leidens, kurzum: eine Sängerdarstellerin von hohen Gnaden

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Jahrbuch 2024
Rubrik: Sängerin des Jahres, Seite 14
von

Weitere Beiträge
Zukunft Oper

Die Zukunft der Oper stand schon immer auf dem Spiel, daran hat sich in den mehr als 400 Jahren ihres Bestehens grundsätzlich kaum etwas geändert. Was sich indes geändert hat, sind die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, unter denen sie auf die Bühne gelangt, das soziokulturelle Environment. Und spätestens nach der wenig fruchtbaren Diskussion über die...

Glücksfalten auf meiner Stirn

Die Erinnerung ist ein seltsames Tier. Manchmal, meist in der Nacht, steht sie fauchend und zähnefletschend vor mir, so als wolle sie mich gleich zerreißen; das sind die Augenblicke, in denen ich mich, in Schweiß badend, vor ihr fürchte. Manchmal ist sie hingegen wie eine sprießende Blume, und plötzlich sieht die Welt um mich herum so unfassbar schön aus; das sind...

Antisemitismus und Oper

Der Antisemitismus ist weltweit wieder auf dem Vormarsch. Gut 80 Jahre nach Auschwitz ist dies eine vernichtende, erschütternde Nachricht, die aber im Grunde nur die geschichtliche Kontinuität eines seit Jahrtausenden virulenten «Phänomens» beglaubigt. Wo Juden waren, wurden sie gehasst, an zahllosen Ort des Globus. Und auch auf der Opernbühne dauerte es bis zur...