Rote Linie

Ein rechtes «Bürgerforum» hat sich auf das Theater Altenburg eingeschossen: Das Publikum kommt jetzt erst recht, die Politik bleibt stumm

Hübsch hier. Die verwinkelte Innenstadt, der langgestreckte Marktplatz, eingerahmt von sanierten Altbauten. Im Rathaus aus dem 16. Jahrhundert der obligatorische Ratskeller. An diesem Adventssonntag sind im ostthüringischen Altenburg einige Buden geöffnet, es riecht nach Bratwurst, aus den Lautsprechern dringt, etwas zu laut, nicht ganz so weihnachtliche Musik. Sobald man den Platz verlässt, fallen die leergeräumten Läden auf. In den Fenstern kleben Plakate: «Zu vermieten». Die Einwohnerzahl im Landkreis sinkt stetig.

Lebten dort Ende November 2005 noch über 106 000 Menschen, waren es zehn Jahre später nur mehr gut 92 000. Die Arbeitslosenquote liegt bei knapp neun Prozent. Altenburg, die Skatstadt, steht beispielhaft für viele Kommunen im Osten der Republik.

Nur ein paar Schritte vom Marktplatz entfernt liegt der Roßplan. Im Oktober fand dort eine Kundgebung statt. Das «Bürgerforum Altenburger Land» hatte eingeladen (ein Mitschnitt ist im Internet zu sehen). Eine Gruppierung, die sich nach außen hin harmlos gibt, mit der weißen Taube der Friedensbewegung im Logo, bei ihren Veranstaltungen jedoch Stimmung gegen Migranten macht. Deren Moderator Frank Schütze hat auf ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2017
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Nora Sophie Kienast

Vergriffen
Weitere Beiträge
Im Häusermeer

Wenn das so weitergeht, ist irgendwann keine Kuhweide mehr da. Erl expandiert munter: Im fünften Jahr schon lockt der futuristische Flunder-Musentempel neben dem Passionsspielhaus zum Winterfestival. In unmittelbarer Nähe steht das Parkhaus, aus dem es nachts so schön orange leuchtet und auf das sich Mäzen Hans Peter Haselsteiner Wohnungen setzen ließ. Und...

Opernwundertüte

Norbert Abels, Chefdramaturg der Oper Frankfurt und Professor an der Folkwang Hochschule Essen, ist einer der klügsten, umtriebigsten Dramaturgen der Republik und als Essayist gewiss der produktivste und inspirierendste. 2009 hat er unter dem hintersinnigen Titel «Ohrentheater» im Frankfurter Axel Dielmann-Verlag eine 800-Seiten-Sammlung seiner (zuvor meist in...

Starke Frauen, extreme Lagen

Musiktheater ist ein feiner Seismograf für die Wandlungen im Umgang mit Emotionen. Wie sehr dies gerade auch für Händels Opern gilt, will dieser anregende Band mit seiner Fokussierung auf weibliche Opernfiguren zeigen, die von damals neuen und deshalb beunruhigenden «vermischten Empfindungen» geprägt sind. Eingelöst wird dieser in Laurenz Lüttekens bündiger...