Rossini von der besten Seite
Mit der zweiten Premiere der Saison, dem «Barbiere di Siviglia», ist dem neuen General Manager der Met, Peter Gelb, nach der ständig ausverkauften neuen «Butterfly» in der Inszenierung Anthony Minghellas ein weiterer Coup gelungen: Für die erste Aufführungsserie waren bereits am Tag nach der Premiere keine Karten mehr zu bekommen – bei Preisen bis zu 375 Dollar pro Platz. Und das lag nur zum Teil an der hochkarätigen Besetzung, die derzeit in den drei Hauptpartien kaum zu überbieten sein dürfte.
Der «offizielle» Superstar dieser Produktion war Juan Diego Flórez, der in schneidiger spanischer Uniform von Plakaten herablächelte und durch TV-Werbespots stiefelte. Der peruanische Beau sang die Partie des Almaviva so geschmeidig, so leichtfüßig, so stilsicher, so elegant, wie ihm das heute keiner nachmacht. Er ließ reichlich Charme fließen, bewies sein komödiantisches Talent, war vom Scheitel bis zur Sohle der verliebte Aristokrat. Trotzdem blieb er, das war die Überraschung des Abends, lange im Schatten seiner Kollegen Diana Damrau und Peter Mattei. Nur ganz am Schluss holte Flórez auf, weil er dort das bei den meisten Tenören der letzten einhundertneunzig Jahre gestrichene Rondo ...
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