Puccini: La Bohème
Von Honoré de Balzac, einem der aufmerksamsten Chronisten des 19. Jahrhunderts, stammt eine Sentenz, die das Phänomen Bohème folgendermaßen charakterisiert: «Die Bohème hat nichts und lebt von dem, was sie hat. Die Hoffnung ist ihre Religion, der Glaube an sich ist ihr Gesetzbuch, die Wohlfahrt gilt ihr als Budget. Alle diese jungen Menschen sind größer als ihr Unglück, sie befinden sich unterhalb des Reichtums, aber stehen immer über ihrem Geschick.»
Immer? Nimmt man das Ende von Puccinis Oper zum Maßstab, irrte Balzac wenigstens an dieser Stelle.
Die Musik schluchzt, die Protagonisten schluchzen, Mimi ist tot. Für einen Augenblick bleibt die Zeit stehen. So auch auf der Bühne des Staatstheaters Cottbus, wo die Menschen um die Gestorbene herumstehen und es einfach nicht fassen können, dass das Schicksal ihren Idealismus übertrumpft hat. Ein letztes Mal hatte kurz zuvor Jens Klaus Wilde als Rodolfo mit tenoral schmachtender Inbrunst die Liebe, ihren Triumph über die Unbill des rein materiellen Seins, besungen, und ein letztes Mal hatte ihm darauf der fragil-metallische Sopran von Gesine Forberger als Mimi geantwortet, vergeblich liebend auch sie. Nun aber ist es vorbei, das ...
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