Romantik und Rebellion
Gut möglich, dass sie sich dieses erste Bild bei Penny Woolcocks für die ENO in London und die New Yorker Met entwickelte Inszenierung der «Perlenfischer» abgeschaut haben. In Gelsenkirchen kommt es eine Nummer kleiner, aber ähnlich suggestiv. Wir sehen, als wäre das Musiktheater im Revier ein Aquarium, einen Taucher ins tiefe Blau hinabdringen; zusammen mit Bizets ohrenschmeichelnden Klängen ist das sofort ein magischer Moment. Der Dirigent Giuliano Betta interessiert sich für die zarten Farben dieser Musik, hält die Neue Philharmonie Westfalen von grellem Exotismus fern.
Bei aller Bewunderung für das feine Flimmern und Schimmern, das Tremolieren der Seelentöne, die Bizet da zehn Jahre vor «Carmen» dieser Dreiecksgeschichte unter ceylonesischen Perlenfischern abgehört hat, vergisst sich leicht, dass die Instrumentation nur aus dem Klavierauszug rekonstruiert ist. Jede Aufführung der «Perlenfischer» steht auf unsicherer Textgrundlage. Man merkt es in Gelsenkirchen auch daran, dass das vielgeliebte Freundschaftsbeschwörungsduett der Liebesrivalen Nadir und Zurga nach dem kurzen Eifersuchts-Mittelteil nicht wieder in die Phantasmagorie des Anfangs – Vision der göttlichen Erscheinung ...
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Opernwelt Februar 2019
Rubrik: Panorama, Seite 31
von Holger Noltze
Vermutlich war es nur eine Frage der Zeit. Videoprojektionen sind heutzutage aus den Opernhäusern nicht mehr wegzudenken. Mal bringen sie künstlerischen Mehrwert durch konstrastierende Brechungen des Bühnengeschehens. Mal verdoppeln sie nur das, was man sowieso auf der Bühne sieht. Doch immer standen sie in irgendeinem Verhältnis zur Bewegung realer...
Zu einer Zeit, als auch für das Lied orchestrale Heerscharen aufgeboten wurden, stimmte Hugo Wolf mit dem «Italienischen Liederbuch» einen Lobgesang auf den Zauber des Alltäglichen an – gleich die erste Nummer kündigt das programmatisch an: «Auch kleine Dinge können uns entzücken». Anfang 2018 waren Wolfs 46 Miniaturen europaweit einem Arena-Ambiente ausgesetzt:...
Manchmal ist das Ferne ganz nah. Fährt direkt unter die Haut, bis wir nicht ein noch aus wissen. Bis wir zu fragen vergessen, warum uns eine mehr schlecht als recht erzählte Geschichte aus dem 19. Jahrhundert den Atem stocken lässt. Eine Geschichte, die auf einer Insel im Indischen Ozean spielt (Ceylon) – mit einem von geistergläubigem Volk auserwählten König...
