Romantik und Realismus

Rossinis «La donna del lago» unter ­Alberto Zedda, Donizettis «Imelda de’ Lambertazzi» unter Mark Elder

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Rossini-Opern, hat man ihre Funktionsweise erst einmal durchschaut, machen glücklich. Die großen dramatischen Konfrontationen laufen wie Schneeballschlachten ab: Die Kontrahenten schleudern sich in wachsender Erregung Koloraturen-Salven ins Gesicht. Lyrische Gefühle klettern hingegen auf langen Koloraturen-Treppen gen Himmel und wieder hinab. Dramatik setzt sich wie ein gepixeltes Bild aus kleinsten Noten zusammen. Über das schiere Vergnügen am virtuosen Pointillismus hinaus überrascht ­einen der Schwan von Pesaro aber in jeder Oper wieder mit ungeahnten Erfindungen.

In der von Alberto Zedda 2006 in Wildbad einstudierten «La donna del lago» (1819) ist das der Naturton der stark geforderten Hörner, die zwei Jahre vor Webers «Freischütz» den viel beschworenen deutschen Wald evo­zieren. Dabei spielt die «Dame vom See» nach Sir Walter Scotts gleichnamiger Vers­erzählung im nebligen Schottland. Hintergrund ist der Kampf der Highlander-Clans gegen die Vereinnahmung ihres Landes durch die englische Zentralregierung Mitte des 18. Jahrhunderts. Die wildromantischen Schauplätze – Seen, Höhlen, Schluchten, Schlösser und Wälder – inspirierten Rossini zu atmosphärischer Klangzauberei.
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Opernwelt Mai 2008
Rubrik: CDs, Seite 71
von Boris Kehrmann

Vergriffen
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