Romantik und Realismus
Rossini-Opern, hat man ihre Funktionsweise erst einmal durchschaut, machen glücklich. Die großen dramatischen Konfrontationen laufen wie Schneeballschlachten ab: Die Kontrahenten schleudern sich in wachsender Erregung Koloraturen-Salven ins Gesicht. Lyrische Gefühle klettern hingegen auf langen Koloraturen-Treppen gen Himmel und wieder hinab. Dramatik setzt sich wie ein gepixeltes Bild aus kleinsten Noten zusammen. Über das schiere Vergnügen am virtuosen Pointillismus hinaus überrascht einen der Schwan von Pesaro aber in jeder Oper wieder mit ungeahnten Erfindungen.
In der von Alberto Zedda 2006 in Wildbad einstudierten «La donna del lago» (1819) ist das der Naturton der stark geforderten Hörner, die zwei Jahre vor Webers «Freischütz» den viel beschworenen deutschen Wald evozieren. Dabei spielt die «Dame vom See» nach Sir Walter Scotts gleichnamiger Verserzählung im nebligen Schottland. Hintergrund ist der Kampf der Highlander-Clans gegen die Vereinnahmung ihres Landes durch die englische Zentralregierung Mitte des 18. Jahrhunderts. Die wildromantischen Schauplätze – Seen, Höhlen, Schluchten, Schlösser und Wälder – inspirierten Rossini zu atmosphärischer Klangzauberei.
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2006 wurde in Köln Jan Müller-Wielands «Held der westlichen Welt» präsentiert – ein buntes Stil-Crossover mit prächtigen (Quasi-)Zitaten zur schwarzen Komödie des John M. Synge: Das trunkene, maulheldenhafte, trostlose Irland von 1907 diente einem Hartz-IV-Musiktheater mit Berliner Volksbühnen-Charme als Vorlage. Nun kam mit «Rotter» das Gegenstück an den...
Als die dreizehnjährige Ballettschülerin Edith Aptowitzer am 14. März 1938 zum Unterricht in die Staatsoper will, tritt ihr ein Pförtner in den Weg. «Juden kommen hier nicht rein», erklärt er. Die heute 83-Jährige schildert den Vorfall mit stockender Stimme bei der Pressekonferenz zur Ausstellung der Wiener Staatsoper «70 Jahre danach – Täter, Opfer, Zuschauer»....
Was es auf sich hat mit den drei Rheintöchtern und mit einem Riesenbett, das wie angeschwemmtes Strandgut aussieht, werden wir wahrscheinlich erst wissen, wenn der neue Hamburger «Ring» geschmiedet ist. Während Ha Young Lee, Gabriele Rossmanith und Ann-Beth Solvang mit berückendem Wohllaut singen, naht eine Gestalt im weißen Schutzanzug und reinigt – oder...
