Lange nicht gesehen
Es muss nicht immer der Kanon sein. Auch in den Moskauer Opernhäusern bemüht man sich um die Werke, die man im Mainstream vergeblich sucht. Gleich drei Produktionen legten davon Zeugnis ab.
Am Musiktheater Stanislawski und Nemirowitsch-Dantschenko (MTSNM) stand «Die Mainacht» von Rimsky-Korsakow auf dem Spielplan. Nicht gerade ein Meisterwerk, aber ein Publikumsrenner mit saftigen Genreszenen und mystischen Spielereien. Stanislawski führte die Oper 1928 in seinem Studiotheater auf, 1986 wurde sie wieder ausgegraben.
Als Dorfältester stand damals – wie heute – Leonid Simnenko auf der Bühne, der die Partie auch diesmal mit überzeugender Verve sang. Die Inszenierung von Alexander Titel zeichnet sich zwar nicht durch Einfallsreichtum aus, hat aber eine gewisse Eleganz. Traditionelle ukrainische Folklore verbindet sich mit Symbolen und Figuren des heutigen Lebens. So erinnert die Schwägerin des Dorfältesten mit ihrem voluminösen, um den Kopf gewickelten Zopf unverkennbar an Julia Timoschenko, die Premierministerin der Ukraine. Die Ouvertüre ist mit geschickt gereihten Propagandabildern aus Chroniken der Stalin-Ära unterlegt, die von der Leistungsfähigkeit ukrainischer Kolchosen ...
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Interim. Das heißt «unterdessen – inzwischen» und bedeutet im allgemeinen Sprachgebrauch ein Provisorium. Das Theater Freiburg lebt damit nun schon im zweiten Jahr, nachdem Generalmusikdirektorin Karen Kamensek sich im Umfeld des Intendantinnenwechsels (Amélie Niermeyer/Barbara Mundel) vorzeitig aus dem Amt zurückgezogen hatte und die Nachfolgesuche sich...
Rund um die Berliner Staatsoper war es längst schon ein offenes Geheimnis: Zwischen Intendant Peter Mussbach und dem Geschäftsführenden Direktor Georg Vierthaler läuft nichts mehr. Hier der sprunghafte Kunstvisionär und unorthodoxe Steuermann eines großen Operntankers, dort der kunstferne Finanzkommissar und beinharte Manager. Das war eine Konstellation, die Unter...
Luca Ronconi will mit seiner neuen, ziemlich glatten Inszenierung von Puccinis «Il trittico» offenbar unauffällig an die Tradition anknüpfen. Zugleich zeigt er Haltung – mit realitätsnaher Ironie und einem gehörigen Schuss Zynismus. Puccini war schließlich kein Mann von rechtschaffener Biederkeit. Der beißende Humor des «Gianni Schicchi» hat viel mit dem Minenfeld...
