Experimentierfeld Mozart
Mit ihrer Überfülle an Musik, die man schon bei der Münchner Premiere 1781 durch drastische Striche kanalisieren musste, ist «Idomeneo» Mozarts reichste, experimentellste Oper. Bereits in der Ouvertüre mit ihren abrupten Einbrüchen wetterleuchtet jene nervöse Erregtheit, die das Psychodrama der Leidenschaften bestimmt, in dem die allesamt durch den Krieg traumatisierten, zudem extremen Stimmungsschwankungen unterworfenen Hauptfiguren sich verfangen haben.
Wie schwer sich die Bühne mit Mozarts vielschichtiger Kontrastdramaturgie und dem instrumental aufs Subtilste aufgefächerten Innenleben der Musik tut, machen zwei Neuinszenierungen deutlich. Beide Male haben die Regisseurinnen – Arila Siegert in Heidelberg, Waltraud Lehner in Stuttgart – einen politischen, einen aktualisierenden Ansatz gewählt, was bei dem mythischen Stoff nahe liegt. Für Siegert ist «Idomeneo», nicht anders als für Hans Neuenfels in seiner umstrittenen Berliner Inszenierung, ein Plädoyer für die Selbstbestimmung des Menschen. Lehner will zeigen, wie der Krieg mit physischer und psychischer Gewalt die Menschen zerstört.
Gestrandet am eigenen Ich – «Idomeneo» in Heidelberg
«Ein Meer im Busen» hat Idomeneo, der dem ...
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