Experimentierfeld Mozart

«Idomeneo» in Heidelberg und Stuttgart, Christof Loys hohe «Così»-Schule in Frankfurt

Mit ihrer Überfülle an Musik, die man schon bei der Münchner Premiere 1781 durch drastische Striche kanalisieren musste, ist «Idomeneo» Mozarts reichs­te, experimentellste Oper. Bereits in der Ouvertüre mit ihren abrupten Einbrü­chen wetterleuchtet jene nervöse Erregtheit, die das Psychodrama der Leidenschaften bestimmt, in dem die allesamt durch den Krieg traumatisierten, zudem extremen Stimmungsschwankungen unterworfenen Hauptfiguren sich verfangen haben.


Wie schwer sich die Bühne mit Mozarts vielschichtiger Kontrastdramaturgie und dem instrumental aufs Subtilste aufgefächerten Innenleben der Musik tut, machen zwei Neuinszenierungen deutlich. Beide Male haben die Regisseurinnen – Arila Siegert in Heidelberg, Waltraud Lehner in Stuttgart – einen politischen, einen aktualisierenden Ansatz gewählt, was bei dem mythischen Stoff nahe liegt. Für Siegert ist «Idomeneo», nicht anders als für Hans Neuenfels in seiner umstrittenen Berliner In­szenierung, ein Plädoyer für die Selbstbestimmung des Menschen. Lehner will zeigen, wie der Krieg mit physischer und psychischer Gewalt die Menschen zerstört.

Gestrandet am eigenen Ich – «Idomeneo» in Heidelberg

«Ein Meer im Busen» hat Idomeneo, der dem ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2008
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Uwe Schweikert

Vergriffen
Weitere Beiträge
Rekonstruktion eines Fragments

Schubert, Oper und Indien – eine Trias, die mehr Gegensätze als Gemeinsamkeiten aufweist. Im Herbst 1820 wagte sich Schubert an die Vertonung des Sakontala-Stoffes, dessen Dramenvorlage auf Versen des indischen Dichters Kalidasa (um 500) basiert. Daraus fügte der österreichische Dichter ­Johann Philipp Neumann ein Libretto – jener Neumann, der auch die Textvorlage...

Nackte Gefühle

Herr Cura, am Tag der Premiere von Massenets «Le Cid» in Zürich erfuhren Sie, dass Ihr Vater gestorben ist. Dennoch haben Sie gesungen.
Ja, es war ein Alptraum und eine sehr besondere Situation zugleich. Ich hatte intuitiv immer gewusst, dass mich eine solche Nachricht irgendwann, wenn man gar nicht damit rechnet, erreichen würde. Nur war mir auch klar, dass ich...

Theatermusik für alle

Es waren starke Worte, die die Hamburger anno 1728 von der Bühne ihres Opernhauses zu hören bekamen: «Adel ohne Tugend Zier / kommt mir wie ein Storchnest für. / Denn auf hoher Bäume Wipfeln / und der höchsten Häu­ser Gipf­feln / hat der Storch zwar sein Quartier / Übrigens hingegen tauget / gar zu nichts das ganze Tier.» Deutlicher als in dieser Arie des Rates...