Ringen und Singen
Von den alten Griechen ist der Mythos überliefert, dass Schwäne im Angesicht des Todes besonders schön singen. Daher rührt der Begriff «Schwanengesang». Seitdem die English National Opera vor dem Abgrund steht, singt und spielt sie, als beflügle die Not des Hauses ihre Kreativität. In den letzten zwei Jahren hat die ENO eine Reihe von Aufführungen produziert, wie man sie oft vermisst hat.
Dazu gehört die fesselnde neue Inszenierung von Brittens «The Turn of the Screw» nach der psychodramatischen Schauernovelle von Henry James, die ebenso viele Fragen aufwirft, wie sie Deutungen erlaubt.
Die Geschichte einer namenlosen Erzieherin, die überzeugt ist, dass die Unschuld der beiden Waisenkinder in ihrer Obhut durch die bösen Geister von zwei verstorbenen Angestellten des Hauses (dem Diener Peter Quint und ihrer Vorgängerin Miss Jessel) korrumpiert werde, lässt bewusst vieles im Unklaren. James ging es darum, die allgemeine Vorstellung vom Bösen inten -siv genug zu gestalten, damit der Leser die Details mit seiner eigenen Phantasie ausfüllen könne. In der Novelle konstatiert der Erzähler der Geschichte denn auch, dass sie das Unbegreifliche nicht enthüllen werde, «jedenfalls nicht platt ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Dezember 2024
Rubrik: Magazin, Seite 64
von Götz Thieme
Puccinis Commedia lirica ist strenggenommen ein dramaturgisches mixtum compositum: Der «Traviata» scheint die entsagungsvolle Kurtisane entnommen, der «Fledermaus» das in der Toilette seiner Chefin auf dem Ball erscheinende Dienstmädchen. Zu allem Überfluss spielt auch noch die «Lustige Witwe» mit ihren Grisetten ins Geschehen hinein. Uneinheitlich wie die Handlung...
JUBILARE
Beat Furrer wuchs in Schaffhausen auf und erlernte zunächst an der Musikschule Klavier. Im Jahr 1975 ging er mit Anfang 20 nach Wien, um dort Komposition bei Roman Haubenstock-Ramati und Dirigieren bei Otmar Suitner zu studieren. 1985 gründete er das Klangforum Wien, das er bis 1992 leitete und dem er seitdem als Dirigent verbunden ist. Im Auftrag der...
Man sieht es und staunt. Nell kann gehen. Zumindest am Anfang dieses Abends, der vom Ende erzählt und wie man sich darauf vorbereitet, wie man die Stufen vom Sein zum Nichts herabschwebt, ohne schwindelig zu werden. In Frack und weißem Hemd tritt also die Frau, die im Stück nach einem Unfall keine Beine mehr hat, vor den Vorhang, lächelt ins Publikum und singt mit...
