Ringen und Singen
Von den alten Griechen ist der Mythos überliefert, dass Schwäne im Angesicht des Todes besonders schön singen. Daher rührt der Begriff «Schwanengesang». Seitdem die English National Opera vor dem Abgrund steht, singt und spielt sie, als beflügle die Not des Hauses ihre Kreativität. In den letzten zwei Jahren hat die ENO eine Reihe von Aufführungen produziert, wie man sie oft vermisst hat.
Dazu gehört die fesselnde neue Inszenierung von Brittens «The Turn of the Screw» nach der psychodramatischen Schauernovelle von Henry James, die ebenso viele Fragen aufwirft, wie sie Deutungen erlaubt.
Die Geschichte einer namenlosen Erzieherin, die überzeugt ist, dass die Unschuld der beiden Waisenkinder in ihrer Obhut durch die bösen Geister von zwei verstorbenen Angestellten des Hauses (dem Diener Peter Quint und ihrer Vorgängerin Miss Jessel) korrumpiert werde, lässt bewusst vieles im Unklaren. James ging es darum, die allgemeine Vorstellung vom Bösen inten -siv genug zu gestalten, damit der Leser die Details mit seiner eigenen Phantasie ausfüllen könne. In der Novelle konstatiert der Erzähler der Geschichte denn auch, dass sie das Unbegreifliche nicht enthüllen werde, «jedenfalls nicht platt ...
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Opernwelt Dezember 2024
Rubrik: Magazin, Seite 64
von Götz Thieme
Gerd Kührs erste Oper hat schon ein paar Jahre auf dem Buckel. 1988 wurde «Stallerhof» bei Hans Werner Henzes erster Münchener Musiktheaterbiennale uraufgeführt und seitdem einige Male nachgespielt. Nicht so oft wie etwa Wolfgang Rihms «Jakob Lenz», aber man konnte dem Werk immer wieder einmal begegnen. Auch die Neuproduktion am Stadttheater Klagenfurt zeigt die...
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Erinnern wir uns. Es war ein heißer Augusttag des Jahres 2018 in Salzburg, man konnte froh sein, dass im Haus für Mozart die Klimaanlage funktionierte. Ein bisschen mulmig konnte einem trotzdem zumute werden angesichts dessen, was sich auf der Bühne ereignete. Jan Lauwers hatte sich Monteverdis «L’incoronazione di Poppea» vorgenommen und anscheinend den erklärten...
