Ringen und Singen
Von den alten Griechen ist der Mythos überliefert, dass Schwäne im Angesicht des Todes besonders schön singen. Daher rührt der Begriff «Schwanengesang». Seitdem die English National Opera vor dem Abgrund steht, singt und spielt sie, als beflügle die Not des Hauses ihre Kreativität. In den letzten zwei Jahren hat die ENO eine Reihe von Aufführungen produziert, wie man sie oft vermisst hat.
Dazu gehört die fesselnde neue Inszenierung von Brittens «The Turn of the Screw» nach der psychodramatischen Schauernovelle von Henry James, die ebenso viele Fragen aufwirft, wie sie Deutungen erlaubt.
Die Geschichte einer namenlosen Erzieherin, die überzeugt ist, dass die Unschuld der beiden Waisenkinder in ihrer Obhut durch die bösen Geister von zwei verstorbenen Angestellten des Hauses (dem Diener Peter Quint und ihrer Vorgängerin Miss Jessel) korrumpiert werde, lässt bewusst vieles im Unklaren. James ging es darum, die allgemeine Vorstellung vom Bösen inten -siv genug zu gestalten, damit der Leser die Details mit seiner eigenen Phantasie ausfüllen könne. In der Novelle konstatiert der Erzähler der Geschichte denn auch, dass sie das Unbegreifliche nicht enthüllen werde, «jedenfalls nicht platt ...
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Opernwelt Dezember 2024
Rubrik: Magazin, Seite 64
von Götz Thieme
Dem Kurzzeit-Schwiegersohn Ernst Krenek zufolge war sie eigentlich recht einfach zu begreifen: «Ihr Stil war der von Wagners Brünnhilde, transportiert in die Atmosphäre der Fledermaus.» Aber war Alma Mahler-Werfel wirklich eine solche Sphinx, nur ohne Geheimnis? Ihre große Kunst, geliebt zu werden, nicht nur von Gustav Mahler, Walter Gropius, Oskar Kokoschka und...
Die Dämonen sind da. Oben und unten. Oben, von den Rängen, erschallen aus verborgenen Lautsprechern die (sechs) Stimmen derjenigen, deren einziges Ziel es ist, wilde Spekulationen zu verbreiten, und ihn, den Virtuosen, an den Pranger zu stellen. Unten, aus den Lamellen zur Linken wie zur Rechten sowie von der Hinterbühne, fliegen Tänzerinnen und Tänzer als seine...
Natürlich kann man sagen, dass Macbeth dergleichen mit einer anderen Frau an seiner Seite nicht passiert wäre. Vor allem hätte er einfach nur abwarten müssen. Es läuft ja ohnehin schon alles in seine Richtung, sein vermeintlich unaufhaltsamer Aufstieg hat längst begonnen. Macbeth jedoch ist zu ungeduldig. Immerhin hat er nachher den Anstand, das nicht seiner...
